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Dienstag, 28. Dezember 2010

Handkommunion verboten?

Eine interessante Entwicklung [wenn es denn wahr ist!], im Petersdom ist die Handkommunion verboten worden, beziehungsweise der Indult zur Handkommunion aufgehoben worden. Was kaum noch ein Katholik weiß, die Handkommunion ist ja lediglich eine erlaubte Ausnahme, die Mundkommunion dagegen die reguläre Form des Kommunionempfangs und diese reguläre Form soll in Zukunft die einzige Form der Spendung der hl. Eucharistie im Petersdom darstellen.

Es ist nun so, dass wohl kaum etwas anderes Katholiken so sehr erbitterten kann, wie eine 'erzwungene' Mundkommunion. Beispielhaft dafür etwa hier ein sehr emotionaler Beitrag aus einem Blog. Der Beitrag von CICERO halte ich für ausgezeichnet, weil er die Empörung über die Behauptung, die Handkommunion "mindere den Glauben an die Realpräsenz oder senke die Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten" und so weiter sehr klar in Worte fast. [Ob es sich nun wirklich so verhält oder nicht, möchte ich jetzt mal offen lassen].

Halten wir zuerst einmal fest, Hand.- wie Mundkommunion sind in der ordentlichen Form der hl.Messe gültige Formen des Kommunionempfangs und Christus Jesus ist in jeder gewandelten Hostie leibhaftig vorhanden, egal ob man ihn mit dem Mund ehrfürchtig auf den Knien empfängt, oder ihn sich im Stehen auf die Hand legen lässt. Das ändert nichts an der Gegenwart von IHM.

Bei mir war es so, dass ich nach langem inneren Kämpfen für mich beschlossen habe, die Kommunion nur kniend in den Mund zu empfangen und nachdem ich kurz darauf ein Gespräch in der Sakristei mitbekommen habe, wo der Priester sich einem Kommunionshelfer offen zu seinem Ekel vor dieser Form der Spendung bekannt hat, habe ich in meiner 'alten' Gemeinde nie wieder die Kommunion genommen. Ich gebe zu, das war falsch. Und zwar weil ich aus den falschen Gründen so gehandelt habe.

Zu der Zeit hatte ich lange im Herzen darüber meditiert, was es eigentlich bedeutet, dass wir Christus Jesus leibhaftig begegnen und ihn in uns aufnehmen dürfen. Vor lauter Skrupel, das ich dem eigentlich gar nicht würdig bin, war ich damals lange Zeit gar nicht mehr zu Kommunion gegangen. Darüber hat mir dann ein orthodoxer Mönch hinweggeholfen, als er einmal zu mir gesagt hat, dass wir _niemals_ würdig sind, IHN zu empfangen und diese Skrupel sozusagen ein Teil unseres Sündenstolzes sind. Der HERR ist als Arzt zu uns Kranken geschickt worden, wollten wir drauf warten ihm zu empfangen bis wir gesundet sind, kann er uns nie helfen.

Daraufhin bin ich wieder zur Kommunion gegangen, aber in einer aus meiner Sicht bewussteren und eindeutigeren Form und da hat sich für mich der Empfang des hl. Messopfers auf den Knien im Mund einfach organisch und 'richtig' angefühlt. Ich war glücklich, nach einer längeren Krise einen Ausdruck für mich gefunden zu haben, was meinen Glauben an die reale Gegenwart von IHM fasst. Und aus diesem Glück bin ich da schon ein paar Tage später aufgewacht, als wie gesagt ein Priester die Mundkommunion mit ziemlich drastischen Worten aus seiner Sicht als eklig & unhygienisch bezeichnet hat.

Ich muss zugeben, dass hat mich in meinem zartesten Punkt zutiefst verletzt und ich habe lange gebraucht, bis ich über diese Verletzung und was daraus alles folgte, in einer Beichte sprechen konnte. Ich bin ja davon überzeugt, der HERR will von uns nicht die Mundkommunion, sondern das wir seine Liebe erwidern und wenn die Mundkommunion zwischen uns und seiner Liebe steht, dann ist das nicht gut. Für mich war's nun so, dass die Mundkommunion mich innerhalb kürzester Zeit in meiner alten Gemeinde zum Außenseiter gemacht hat und dann ist noch dieses & jenes passiert und dann war ich draußen. Nach meiner Erfahrung provoziert die Mundkommunion -ob man das will oder nicht- die Mitchristen bis auf's Blut. Ich wollte ehrlich gesagt nicht provozieren, sondern nur einen Ausdruck für meinen neu gewonnen Glauben finden und weil ich irgendwann keine Lust mehr hatte, mich ständig dafür rechtfertigen zu müssen, bin ich wo hingegangen, wo die Mundkommunion nicht für eklig gehalten wird.

Nur: Was ich gemacht habe, habe ich aus Stolz getan und nicht aus Demut und damit war's falsch. Wäre ich von Herzen demütig gewesen, hätte ich weiterhin die Handkommunion genommen und gerade das als Teil meiner Demut vor ihm begreifen können. So stellt sich das zumindest jetzt für mich dar. Genauso wie die Handkommunion in vielen Fällen nur einen falschen Christenstolz darüber ausdrückt, dass wir den HERRN stehend freihändig uns nehmen dürfen, genauso war's für mich mit der Mundkommunion, die ich allein aus Stolz vor meiner angeblichen Demut so gemacht habe.

Seit mir das klar ist, wäre ich zwischenzeitlich gar nicht mehr zur Kommunion gegangen, bis ich die Lösung in der außerordentlichen Form der hl. Messe gefunden habe - weil es dort ja den Indult zur Handkommunion nie gegeben hat. Als ich diese Form für mich entdeckt habe, war's fast wie eine Erlösung für mich, weil ich endlich tuen konnte, was ich eh schon die ganze Zeit tun wollte und mich nur nie getraut habe und mir dabei total doof vorkommen bin, als einziger vor IHM in die Knie zu gehen.

[Und für die Demut gehe ich inzwischen ab & zu in die regulär hl. Messe und Empfange dort SEINEN Leib auf die Hand um mich nicht zu sehr in dem Gefühl der Rechtgläubigkeit zu suhlen ...]

Samstag, 25. Dezember 2010

Warum ist eigentlich Weihnachten ein Skandal?

Heute in der Homilie der hl. Messe habe ich über die Geburt des menschgewordenen Gottessohnes wunderbarerweise praktisch sämtliche Vorurteile aus Philologie, Religionswissenschaften, Psychologie und-was-weiß-ich gegen die Idee von Weihnachten erfahren.  Es ist ganz sicher so, dass jede einzelne These isoliert betrachtet diskutabel ist. Nur: Warum ist eigentlich so wichtig, ob der 25. Dezember biblisch und Weihnachten mithin christlich oder pagan ist, warum wird die Geschichte von der Geburt des menschgewordenen Gottessohnes nur noch als Folie für gut gemeinte Aufrufe zum ethisch richtigen Handeln benutzt, warum muss man in einer Weihnachtspredigt unbedingt darauf hinweisen, dass Jungfrauengeburt&Co. nur 'Übersetzungsfehler' sind und so weiter und so weiter?

Es ist Weihnachten, ich möchte in meinem Herzen keinen Groll, also genug davon. Aber Weihnachten ist wirklich ein Skandal, ansonsten würden nicht so viele Kräfte aus ihren jeweils eigenen Gründen dagegen angehen. Gott ist wirklich und wahrhaftig Mensch geworden und zwar nicht irgendwo & irgendwie unfassbar abstrakt, sondern für uns Menschen konkret greif-bahr.

Weihnachten 2010 in Haifa





Frohe & gesegnete Weihnachten im Frieden und Ruhe des menschgewordenen Gottessohnes!

Montag, 20. Dezember 2010

Lex orandi - Lex credendi

Heute morgen in der letzten Rorate-Messe der Adventszeit gewesen. Während der hl. Messe habe ich eine kurze Bitte an den hl. Antonius gerichtet, dass er einer sehr lieben Freundin helfen möge, ein Kette mit Tau-Kreuz eines letzten Jahr verstorbenen Freundes zu finden, das sie gestern irgendwo draußen verloren hat. Als ich von der Messe zurückgekommen bin, war's immer noch dunkel und während ich mein Fahrrad durch den Hof schiebe, sehe ich mitten im tauenden Schnee etwas blinken und prompt war es die Kette.

Das ist katholisch. Wir bitten die Heiligen um Kraft und a bisserl Unterstützung und Etwas passiert. Und dieses Etwas ist wiederum ein Teil unseres Glaubensweges. Unsere evangelischen Brüdern & Schwestern mögen darin finsteren a-biblischen Götzendienst sehen, bekanntlich sind die Heiligen schon Luther gewaltig auf die Nerven gegangen.

Katholisch sein ist schwer, eigentlich schade, dass man sich selbst für die guten & positiven Erfahrungen ständig rechtfertigen muss.

Sonntag, 19. Dezember 2010

O Radix Jesse




O Radix Jesse



Das erste bis vierte O-Antiphon in der Fassung von Arvo Pärts 'sieben Magnificat-Antiphonen' in deutscher Sprache. Heute am 19. Dezember wird das dritte O-Antiphon gesungen, 'O Radix Jesse'.

Mythos Mekka

SPIEGEL, Weihnachten 2010

Samstag, 18. Dezember 2010

Apostasie

Ein Umfrage der FR hat hier Schätzungen für die Kirchenaustritte 2010 ergeben.  Der Artikel kolportiert nur die üblichen Ressentiments gegen die katholische Kirche und man kann ihn sich imho sparen, die Zahlen sind dagegen interessant. In der Diözese Augsburg wären demnach 4400 Katholiken mehr als im Jahr davor aus der staatlichen Körperschaft des öffentlichen Rechts 'Kirche' ausgetreten, in der fälschlichen Annahme, sie treten damit aus der Kirche aus.

Ich bin erstaunt, wie klein die Zahl der 'Kirchenaustreter' im Endeffekt ist. Ich habe dieses Frühjahr die Vorgänge um S. E. Bischof Dr. Walter Mixa aus relativer Nähe miterlebt und die monatelange -ich sage das jetzt bewusst- hasserfüllte und lügnerische Berichterstattung der örtlichen AZ wie überörtliche SZ hat scheinbar weniger Eindruck hinterlassen, als gedacht. Nur 4400 Austritte mehr als im Jahr davor bei einer 'Sollstärke' von fast 2 Millionen Katholiken in der Diözese Augsburg, ist nicht besonders viel. Das spielt sich doch wohl alles noch im Promille-Bereich ab.

Die Behauptung der FR oder auch ZEIT,  all diese Menschen wären wegen der aufgedeckte Skandale oder wegen Bischof Walter aus der Kirche 'ausgetreten', halt ich allerdings für ein Denkfehler.

Ich war selber diesen Mai bei einer Veranstaltung der selbsterklärten 'Reformer' und Pfingsterklärer in Augsburg und habe dort wirklich eine Diözese des Grauens erlebt. Priester, die -auch wieder bewusst gesagt- vor lauter Geifer über ihren damals gerade abgesägten Bischof kaum noch Luft zum atmen hatten, offizielle kirchliche Podiumsdiskussionen, die sich fast nur in Rufmord und übler Nachrede ergangen haben, ein Publikum, das durch die mediale Berichterstattung richtiggehend aufgeheizt war und vieles mehr.

Ich kenne natürlich nicht die 'Wahrheit' über S. E. Mixa. Ich weiß allerdings das dort, wo Anschuldigungen wie der 'Missbrauch' eines Ministranten aus seiner Zeit als Stadtpfarrer in Schrobenhausen wirklich konkret untersucht worden ist, die Beschuldigungen in sich zusammengefallen sind wie ein Hefeteig. Das hat die örtliche AZ aber nicht daran gehindert, sofort neuen Beschuldigungen via Schlagzeile in die Welt zu setzen.

Das Prinzip ist: Dreck schleudern und irgendwas bleibt schon hängen.

Ich bin in diesem Jahr über unseren Umgang innerhalb der Kirche nur noch entsetzt. So etwas Übles wie die Vorgänge bei der Absetzung des Augsburger Bischofs hätte ich bis vor kurzem für unmöglich gehalten. Zumindest nicht in der Kirche.. Aber leider ist das so. Und irgendwann habe ich mir auch mal die Frage gestellt, ob ich eigentlich 'so' einem Verein angehören möchte. Und viele andere, mit denen ich gesprochen habe, ging es genauso.

Das waren alles Leute, die Kirche nicht als den Ort betrachten, ihren selbst zusammen gebastelteten Glauben auszuleben, sondern in der vom HERRN gegründeten Gemeinschaft ihren Lebensweg als Teil SEINES Leibes gehen wollen. Und die sich ernsthaft fragen, ob das in der real existierenden deutsch-katholischen Kirche überhaupt noch möglich ist.

Antwort drauf ist schwierig. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich seit diesem Frühsommer meine ehrenamtliche Mitarbeit in meiner 'normalen' Gemeinde eingestellt habe. Ich muss gestehen, ich hab's einfach nicht mehr ertragen, dass praktisch jede Begegnung, jedes Gespräch sich in kürzester Zeit in üble Nachrede, Rufmord, Hetze, Niedertracht und Ressentiments gegen die Kirche und ihren Hirten ergangen hat. Bin vielleicht einfach nur ein Autoritäts-fixierter Neurotiker oder so etwas, aber good or bad, my church. Ich habe Beispielsweise nie verstanden, warum man unbedingt bei etwas dabei sein will, wenn man im Endeffekt nur furchtbar unglücklich darüber ist. Und wenn ich als ganz normaler ehrenamtlicher Katholik in einem ganzen Raum voll von Religionslehrern, Pfarrern, Diakone und was-weiß-ich der einzige bin, der die Kirche überhaupt noch verteidigt, dann läuft irgendwas vollkommen schief.

Ich meine, man kann ja gegen Kirche, Bischof & Papst sein und so weiter, aber wenn man von der Kirche üppig bezahlt wird, dann sollte man sich irgendwann doch schon mal fragen, ob man vielleicht dort nicht in einem gewissen Loyalitätskonflikt steht. Umgekehrt ist es in Augsburg so, wer gewissermassen treu an der Seite von Bischof Mixa stand, ist inzwischen gegangen worden. Alles das ist nicht meine Welt. Und auch nicht mein Weg.

Ich frage mich also, ob nicht unter den 'Kirchenaustretern' viele sind, die einfach den Weg, den unsere Kirche gerade geht, für so falsch hält, dass sie ihn nicht mitgehen wollen.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

David Berger entlarvt sich selber

Und gleich noch was hinterher, David Berger entlarvt mal wieder sich selber im Interview für das monoatheistische Telepolis. Interessant zu lesen, wie weit ein Mensch sich verirren kann. Ich bete für ihn.

Der schleichende Vernichtung der irakischen Christen

Es geschehen Wunder, die ZEIT berichtet über die Vernichtung irakischer Christen in nicht-christophober Art & Weise. Selbst der übliche Hinweis auf Kreuzzüge&Co. unterbleibt. Christen werden in diesem Artikel als das dargestellt, was sie sind, nämlich Opfer. Für ZEIT-Verhältnisse ein außergewöhnlicher Artikel.

Das ändert selbstverständlich nichts an den Tatsachen an sich -Christen werden im Irak weiterhin systematisch unterdrückt, vertrieben & vernichtet- aber an der Wahrnehmung dieser Tatsache. Christus hat uns vorhergesagt, "ihr werdet von jedermann gehaßt sein um meines Namens willen". In unserem fetten, reichen und sicheren Europa, wo sich der Auseinandersetzung um die Wahrheit höchstens noch im Kulturteil der Zeitung abspielt, haben wir das vielleicht vergessen.

Man soll nicht allzu pessimistisch sein. Aber der brüllende Löwe bei Paulus, der umhergeht und sucht, wenn er verschlingen kann, ist bestimmt nicht nur als 'Symbol' oder so etwas gemeint. Man kann das wohl auch wörtlich verstehen und wir werden es vielleicht noch erleben, wie das Leiden der Christen im Irak nur Fanal für unsere eigene Verfolgung sein wird.

Montag, 13. Dezember 2010

Erzengel Michael

Am Ende jeder hl.Messe [natürlich nur noch in der außerordentlichen Form] wird ein Gebet um Schutz an den Erzengel Michael gebetet.


Heiliger Erzengel Michael,
verteidige uns im Kampfe;
gegen die Bosheit und die Nachstellungen
des Teufels, sei unser Schutz.
‘Gott gebiete ihm‘, so bitten wir flehentlich;
du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen,
stoße den Satan und die anderen bösen Geister,
die in der Welt umherschleichen,
um die Seelen zu verderben,
durch die Kraft Gottes in die Hölle.
Amen.

*Gott gebiete ihm* ist ein Zitat aus Judas 9 und die Vorstellung, dass der Erzengel in der Lage ist, Satan und die bösen Geister niederzuwerfen, ist ein Bild aus der Offenbarung 12.

Ich verstehe zunehmend mehr, wozu dies gebetet wird. Gestern ging mir die Frage durch den Kopf: Wer ist eigentlich dieser Satan?  Ich glaube, das offensichtlich Böse kann jeder erkennen und das ist es auch nicht das was die wahre Verführungskunst des Verwirrers ausmacht. Wer will schon böse sein? Doch wohl kaum jemand.

Der 'Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt' wird nicht sagen: Ich bin der Satan!

Sondern im Gegenteil. Der Satan überzeugt immer mit guten Argumenten, aufrichtigen Überzeugungen und was er sagt, klingt alles erst mal gut & richtig. Nicht umsonst will er IHN in der Wüste mit der Schrift in der Hand überreden, Gott zu versuchen. Satan ist schlau und er gibt sich fromm, wenn es Not tut.

Dagegen hilft im Grunde nichts weiter als der Blick in die eigene Seele um all das Schwarze, Dunkle & Niederträchtige wirklich anzuschauen. Der Teufel will einem das immer ausreden und lässt einem rechten und richten, dass es gerade lustig ist. Gerade beim eher 'konservativen' Katholiken sehe ich da große Gefahren, die Rechtgläubigkeit mit der Sündlosigkeit zu verwechseln. Obwohl man es ja eigentlich besser wissen sollte.

Montag

Rorate, 3. Montag  im Advent, 13. Dezember, 6:00 Uhr
Und schon wieder Schneetreiben, Frost & Glatteis und um 4:30 Uhr in der früh aufstehen. Das Ziel ist die morgendliche Roratemesse in der außerordentlichen Form. Ein kleines Kirchlein eine winzige Gemeinde und die Freude, Gemeinschaft mit IHM zu feiern.

Schön.

Freitag, 10. Dezember 2010

Zehntelwahrheiten

Wenn ein gelehrter Mann mir sagt, dass ich am 25. Dezember in Wirklichkeit astronomisch die Sonne anbete, dann sage ich ihm, dass ich es nicht tue. Ich praktiziere eine besondere persönliche Religion, deren Freuden (zu Recht oder Unrecht) nicht im geringsten astronomisch sind ... Übernehmen wir nicht in solch glatter Kapitulation diese Zehntelwahrheiten aus zehnter Hand wie solch eine Phrase, Weihnachten sei vom Ursprung her heidnisch. ... So kann, indem viel über die Sonnenwende gesprochen wird, behauptet werden, Weihnachten sei eine Art Sonnenanbetung. Und auf all dies gibt es die einfache Antwort: Es fühlt sich ganz anders an. Wenn die Menschen bekunden, den ,Geist‘ hinter den Symbolen zu fühlen, so ist es das erste, was ich von ihnen erwarte, dass sie fühlen sollen, welcher Gegensatz das ist: Die Sonne anzubeten, oder dem Stern zu folgen.

Gilbert Keith Chesterton

25. Dezember

Ich wurde darauf hingewiesen, dass es bezüglich des 25. Dezembers in der Wikipedia ganz anders steht. Demnach hätte Julius Caesar bei seiner Kalenderreform den 25. Dezember 45 v.Chr. als kürzesten Tag des Jahres [bruma] festgelegt, nämlich als den Tag der Wintersonnenwende.

Da ganze mal kurz durchdacht:

Vom 1.1.45 v.Chr. bis 1.1.20011 sind 2055 Sonnenjahre vergangen [45 Jahre bis 1.1.1 n.Chr. + 2010 Jahre bis 1.1.2011], das macht 2055 x 365 = 750075Tage. In dieser Zeit gab es 514 julianische Schaltjahre (2055/4 + 1), macht 750075 + 514 = 750589 Tage. 1582 wurden 10 Tage ausgelassen, das macht 7505889 - 10 = 750579 Tage. Seither waren drei julianische Schaltjahre gregorianische Normaljahre, das macht 750579 - 3 = 750576 Tage.

In diesen 2055 Sonnenjahre gab es 25417 Neumonde zu 29,53058868 Tagen und das ganze ergibt einen Zeitraum von 750578,972479564 Tagen. Der erste Neumond 45 v.Chr. war also 71h, 20 min, 20sec vor dem 25417 Neumond am 4. Januar 2011 um 10:02:46, d.h. um 2 Tage, 23 Stunden, 20 Minuten und 20 Sekunden zurück am 1. Januar 45 v.Chr 10:42:26. Den ersten _sichtbaren_ Neumond gab's damit frühesten am 2. Januar 45 v.Chr. was damit laut Definition der Start des julianischen Kalenders war. Die ideale 'julianische' Wintersonnenwende konnte sich damit maximal nur um einen Tag zur 'gregorianische' Wintersonnenwende verschoben haben und hat somit nach dem julianischen Kalender am 23.Dezember 46 v. Chr. stattgefunden.


Überprüfen wir diese Überlegung mit dem Berechnungsalgorithmus zwischen gregorianischen und julianischen Kalender und zwar der Einfachheit halber hiermit. Der 23. Dezember 45 v. Chr in julianischer Zählung wäre demnach der 21. Dezember im gregorianischen Kalender gewesen, d.h. die Überlegung von oben ergibt tatsächliche das 'reale' Datum der Wintersonnenwende. 

Wohingegen der 25. Dezember 45 v. Chr.  2 Tage _nach_ der Wintersonnenwende war. Das bedeutet, Caesaer hätte seinen Kalender zwar ansonsten auf wenige Minuten genau berechnet, sich bei der Berechnung der Wintersonnenwende glatt um 2 Tage vertan.

Rein rechnerisch kann z.Z. der Republik und des Kaiserreichs im Rahmen des julianischen Kalenders der 25. Dezember unmöglich die Wintersonnenwende sein. Zumindest wäre die Frage interessant, warum der julianische Kalender zwar das Sonnenjahr auf wenige Minuten exakt bestimmt, sich beim Mondjahr dann um glatte zwei Tage vertut.

Das ist nur natürlich nur ein laienhafter Einwand. In der Wikipedia steht's anders. Nur habe ich noch _nie_ eine Quelle gefunden, dass im julianischen Kalender der 25. Dezember tatsächlich der Tag der Wintersonnenwende war. Scheint immer nur behauptet, nie belegt zu werden.





Mittwoch, 8. Dezember 2010

Wurzelverstockt

Das Fest der Geburt des menschgewordenen Gottessohnes steht bekanntlich irgendwie immer unter dem Generalverdacht, dass es eigentlich unbiblisch sei, halb.- oder gleich ganzheidnischen Ursprunges, viele Bräuche -wie der Weihnachtsbaum- von den Germanen übernommen worden sind und hier eigentlich nur die Verehrung von Mithras, Sol Ivictus oder sonst einem heidnischen Gott fortgeführt wird.


In der englischen Reformationsgeschichte hat dieser Verdacht letztlich darin geendet, das unter dem Lordprotektor Oliver Cromewell 1650 das Weihnachtsfest konsequenterweise gesetzlich gleich ganz verboten worden ist, zusammen mit allen andere 'paptistischen', d.h. unbiblischen Festen & Feiern. Was die Engländer nicht daran gehindert hat, dieses Feste weiterhin zu begehen, dann halt im Untergrund. 


Die Auseinandersetzung um Weihnachten wurde -verkürzt gesagt- von protestantisch-evangelikaler Seite immer auch als Kampf um ein von heidnischen, d.h. römisch-katholisches Einflüssen 'gereinigtes' Christentum gesehen.


Das interessante ist: Wir 'wissen' ja alle, das der 25. Dezember im römischen Reich das Fest 'Dies natalis solis invicti' war, d.h. der Geburtstag des unbesiegten Sonnengottes und das die clevere Kirche diesen Tag einfach per Handstreich okkupiert und zum eigen Festtag umfunktioniert hat und so weiter. Nur stimmt das eigentlich wirklich?


Der Wiener Altphilologe Dr. Hans Förster hat vor fünf Jahren eine materialreich und leider wenig beachtete Studie "Die Anfänge von Weihnachten und Epiphanias" zum Thema 'Entstehung des Weihnachtsfestes' vorgelegt, in der er Beispielsweise zeigen konnte, dass es bis zum 4. Jhd. n. Chr. nicht _einen_ materiellen Beweis für die Existenz eines Geburtsfest 'Sol Invictus' gab. Keine Tempelweiheinschrift, kein Festopfer, keine Kalender, kein rein gar nichts. Er geht sogar so weit, die Existenz eines solches Festes überhaupt in Abrede zu stellen.

Das ist natürlich nicht das letzte Wort. Nur sind seine Quellen seriös recherchiert und sauber aufgearbeitet und nicht frei erfunden, wie bei Alexander Hislop et all.


Man sollte nicht immer alles glauben, nur weil's den eigenen Vorurteilen entgegenkommt. Meiner Ansicht nach werden gerade im Bereich des Glaubens abenteuerlichste Überzeugungen Fürwahr gehalten, wenn diese sich nur gegen die katholische Kirche richten. Der Kirche wird a priori unterstellt, dass sie irgendwie nur frommen Betrug verbreitet und somit Unsinn ist und was sie lehrt man im ganzen entsorgen kann. 

Nur hält das keiner kritischen Nachfrage stand. 

Die Arbeit von Hans Förster ist lesenswert und jedem empfohlen, der sich mit der Geschichte des Weihnachtsfestes tiefer beschäftigen will.


Montag, 6. Dezember 2010

Der Fall 'fortes fide'

Andere haben es ja bereits kommentiert -etwa hier, hier oder hier- ein Priester der Diözese Osnabrück steht im Verdacht, kinderpornographische Dateien heruntergeladen zu haben. Hier ein Bericht der Osnabrücker Zeitung dazu. Dem Vernehmen nach soll es sich dabei um den in der katholischen Blogospähre nicht unbekannten 'fortes fide' handeln.

Sollte sich das bewahrheiten, dann hat sich ein 'fest in Treue' stehender Priester schwer verirrt. Wobei das wohl einer der größten Gefahren des konservativ ausgerichteten katholischen Glaubens aufzeigt, dass man nämlich vor lauter Stolz über die eigene 'Rechtgläubigkeit' seine Sündhaftigkeit komplett übersieht.

Wir alle sind Sünder und kein bisschen besser als dieser Priester; selbst wenn wir jetzt diese spezielle Sünde nicht begangen haben. Nur weil man die ganze Zeit die [liturgischen] Sünden-Splitter im Auge des liberal-katholischen Banknachbars ansieht, nimmt man nämlich die eigenen Balken noch lange nicht wahr. Und selbst rubrikengetreue Zelebration schützt offensichtlich nicht vor dem Verwirrer.

Ich bitte den HERRN um mehr Demut & Bescheidenheit, dass ich meine eigene Sündhaftigkeit ertragen und wirklich anschauen kann.

Sonntag, 5. Dezember 2010

rorate caeli ..

7:45 vor meinem Fenster

Dies natalis solis invicti

Hier ein hervorragendes Beispiel, wie der Mainstream über Advent und Weihnachten denkt. Eine Melange aus so ziemlich jedem Vorurteil, Halbwahrheit und glatter Lüge, die billig am Markt zu haben ist. Als Beleg dafür mutiert Alexander Hislop schnell noch zum Gelehrten und sein [Mach]Werk 'Von Babylon nach Rom' zum religionsgeschichtlichen Standardwerk.

Das traurige ist: Alexander Hislop wird in evangelikalen Kreisen durchaus gelesen und auch geschätzt, selbst wenn seine Thesen noch so absurd sind. Das Hislop wohl weniger  aus Liebe zur Wahrheit als aus Hass auf die katholische Kirche geschrieben hat, wird dabei völlig ausgeblendet; beziehungsweise wird das wohl mit klammheimlicher Freude geteilt. Hups, war jetzt nicht im rechten ökumenischen Geist formuliert, sorry.

Seine Saat ist aufgegangen. Heute gibt's in München einen schwul-lesbischen Weihnachtsmarkt und keinem kommt's absurd vor. Weil wir 'wissen' ja, dass Weihnachten eh nur ein heidnisches Fest war und 'frommer' Schwindel ist und keine 'christliche' Bedeutung besitzt und warum sich also darüber echauffieren?

Ne irascáris Dómine Teil II

Heute hat's hier richtiges Grau-in-Grau-schmuddel-Matsch-Wetter. Der Schnee von der Woche schmilzt zusammen und alles trieft vor Nässe. Bin mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause gekommen. Muss dabei ein langes Stück durch den Wald und der Weg hat sich angefühlt, wie durch Sirup zu fahren. Eine gute Stimmung, um noch mal auf den adventlichen Hymnus 'Ne irascáris Dómine' zurückzukommen


Der Wechselgesang zitiert wörtlich aus der lateinischen Vulgata, etwa 'Jerúsalem desoláta est' aus Isaiah 64,10. Daher muss der Text logischerweise nach 385 n. Chr. entstanden sein. Im allgemeinen wird er Aurelius Prudentius Clemens zugeschrieben und um 400 n. Chr. datiert. Es ist unzweifelhaft ein christlicher Hymnus, der fast 1600 Jahre lang ein festen Platz in der katholischen Liturgie hatte. So um 1970 ist er aus Gesangsbücher & Liturgie verschwunden und wird heutzutage höchstens noch konzertant aufgeführt. Zur 'Kunst' erklärt kann man das Anstößige aus 'Ne irascáris Dómine' wohl leichter ertragen.


Worin besteht nun das Ärgernis des Hymnus'? 'Ne irascáris Dómine' zitiert aus dem 64 Kapitel des Propheten Jesaja [ישעיהו] das Klagelied über die zukünftige Verlorenheit des Volkes Israel im babylonischen Exil [historisch-kritisch gedacht schreibt hier selbstverständlich Pseudo-Jesaja lediglich im Rückblick über das Elend der babylonische Gefangenschaft und so weiter, aber lassen wir das mal außen vor]. 


Das ganze ist das Ergebnis der *iniquitatis* des Volkes. Was schon mal schwierig zu verstehen ist. Weil's dabei wohl eher nicht um die individuellen Untaten einzelner geht, sondern um Sünde, Unreinheit und Untreue, d.h. alles mögliche, was heute nicht mal mehr im Ansatz verstanden geschweige denn nachvollzogen werden kann.


Was ist Sünde? Und warum fühlt sich der Hymnenschreiber durch diese Schuld 'et allisísti nos in mánu iniquitátis nóstræ', d.h. zerschmettert durch den Lohn unserer Sünde? Ein seltsamer Gedanke; nicht einfach so ist das Unglück & Elend über das Volk gekommen, sondern das hatte einen _Grund_. 


'Rorate caeli desuper' ist der Kehrvers zu 'Ne irascáris Dómine' und wird als Solovers immer noch gerne gesungen, klingt ja auch herrlich poetisch. 'Tauet, ihr Himmel, von oben herab', ein wunderbares Bild, der graue und verschlossene Himmel öffnet sich und es regnet von oben aus den Wolken 'Gerechtigkeit' ... ähm moment mal, warum eigentlich 'Gerechtigkeit'?


'Rorate caeli desuper, et nubes pluant iustum' ist ein Zitat aus dem 45. Kapitel im Buch Jesaia an und zugleich der Eröffnungsvers zum 4. Adventssonntag. Im Hebräischen ist da von *צדקה[sädäq]* die Rede, also der Gerechtigkeit und entsprechend verwendet auch die griechische Septuaginta den Begriff *Δικαιοσύνη[dikaiosynä]* (='Gerechtigkeit'), während Hieronymus den Begriff in seiner lateinischen Bibelübersetzung mit *iustum* wiedergibt, also 'den Gerechten'. Aus der hebräischen _Gerechtigkeit_ wurde im Lateinischen die Person _des Gerechten_.


Jesaja wurde seit den ersten Tagen der Christenheit immer messianisch gedeutet und die Gerechtigkeit mit dem kommendem Herrn gleichgesetzt, etwa bei Paulus in 1 Kor 1,30Bei Jesaja dürstet das gebeutelte Volk nach Gerechtigkeit & dem Antlitz Gottes wie ausgetrocknete Erde nach dem Morgentau. Bei Hieronymus ist dieser Morgentau nun keine abstrakte Wunschvorstellung mehr, sondern wurde Mensch und ist Jesus Christus als Inkarnation der Gerechtigkeit selber.


Nur: Was eigentlich *צדקה[sädäq]* bedeutet, verstehen wir trotzdem nicht mehr. Durch 40 Jahren liberaler Theologie hat sich wesentliches im Glaubensverständnis verflüchtigt wie Morgentau in der Mittagssonne. Schwups, einfach so weg. Wenn von 'Gerechtigkeit' im AT die Rede ist, meint das sowohl Bundestreue Gottes, als auch äußerer Gehorsam und innere Zustimmung des Menschen zur Ordnung Gottes, wie es im Gesetz zum Ausdruck kommt.


Hat uns das jemals jemand erklärt?


Erinnere ich mich etwa an meinen eigenen Religionsunterricht, haben wir natürlich schon mal über 'Gerechtigkeit' geredet: Wir müssen teilen und an die armen Menschen in Lateinamerika & Afrika denken blabla Rhabarber Rhabarber und die USA sind die Oberausbeuter und böseböseböse und so weiter. Halt das übliche.


Über *צדקה[sädäq]* hat uns nie jemand was erzählt. Wie überhaupt ich den Eindruck habe, alles was mit wirklicher Wurzel zu tun hat, wird von der liberalen Theologie versteckt & verheimlicht. Das 'Ne irascáris Dómine' habe ich diese Woche zum ersten mal in einer hl. Messe gehört und gesungen. Das es innerhalb der katholischen Kirche eine eigene jüdische Tradition gibt, die liturgisch mindestens 1600 Jahre gepflegt worden ist, war mir bis vor kurzem gar nicht bewusst. Das ist ein ganzer Schatz, den man uns verheimlicht hat.


Macht mich a bisserl wütend. 







Donnerstag, 2. Dezember 2010

Ne irascáris Dómine Teil I

Johannes hat hier sehr schön die Frage aufgeworfen, warum eigentlich der Hymnus Ne irascáris Dómine heutzutage weder im Gotteslob noch sonst einem offiziellem liturgischen Buch der katholischen Kirche zu finden ist. 


Der Text findet sich hier in der Wikipedia-Version Lateinisch/Deutsch, in Grün der Versuch einer eher wörtlichen Übersetzung und in Schwarz die eine oder andere Anmerkung dazu:


Ne irascáris Dómine,
ne ultra memíneris iniquitátis:
ecce cívitas Sáncti fácta est desérta:
Síon desérta fácta est:
Jerúsalem desoláta est:
dómus sanctificatiónis túæ et glóriæ túæ,
ubi laudavérunt te pátres nóstri.

Zürne nicht länger, Herr,
nicht länger gedenke unserer Missetaten.
Siehe, die Heilige Stadt ist zur Wüste geworden,
Sion ist zur Wüste geworden.
Jerusalem ist verödet,
das Haus Deiner Heiligung und Deiner Herrlichkeit,
wo Dich gepriesen haben unsere Väter.

Nicht zürne, Herr, 

nicht weiter gedenke der Sünde:
Siehe die Stadt des Heiligtums ist verlassen worden,
Sion ist verlassen worden,
Jerusalem ist verödet.
Das Haus deiner Heiligkeit und deines Ruhms,
wo dich gelobt haben unsere Väter.

*iniquitás* bedeutet wörtlich 'Unebenheit'. Hier ist wohl eher nicht eine falsche Handlung gemeint [=Missetat], sondern ein grundsätzlicher, quasi 'struktureller' Fehler. 'Sünde' im Sg. trifft es wohl besser, wobei natürlich die Frage ist, was meint eigentlich 'Sünde' im alttestamentarischen Sinn?

*cívitas Sáncti* kann die 'Stadt des Heiligtums' oder die 'Stadt des Heiligen' meinen, 'heilige Stadt' ist die falsche Assoziation. Nicht die Stadt selbst ist heilig, sondern die Stadt enthält etwas Heiliges und wird somit geheiligt.

Der Unterschied besteht darin, das die Wikipedia *deserta* als Substantiv Pl. *deserta,- orum* mit 'Wüste' übersetzt. Stehen tut da aber imho Fem.Sg. von *desertus* im Bezug auf *cívitas Sáncti*, d.h. nicht die Stadt ist eine Wüste, sondern sie wurde verlassen, nämlich vom 'Heiligen'. 


Im Deutschen lässt sich das kaum wiedergeben. Gemeint ist wohl eher nicht die 'Verwüstung' Jerusalems -die wird im nächsten Vers mit *Jerúsalem desoláta est* ausgedrückt-, sondern der Untergang des zweiten Tempel und mithin eine Gottverlassenheit. Und das in einem _christlichen_ Hymnus, beachtlich!

Peccávimus, et fácti súmus tamquam immúndi nos,
et cecídimus quasi fólium univérsi:
et iniquitátes nóstræ quasi véntus abstulérunt nos:
abscondísti faciem túam a nóbis,
et allisísti nos in mánu iniquitátis nóstræ.

Wir haben gesündigt und sind unrein geworden
und sind gefallen wie ein Blatt,
und unsere Missetaten haben uns wie der Wind fortgetragen.
Du hast Dein Antlitz verborgen vor uns
und uns zerschmettert durch die Wucht unserer Schuld.


Wir haben gesündigt und sind geworden wie ein Unreiner,
und sind gefallen wie ein Blatt,
und unsere Sünden haben uns wie Wind weggetragen.
Verborgen hast du dein Antlitz vor uns,
und uns  gestossen, die wir im Lohn unsere Sünde waren.




*In manu* kann 'als Lohn' bedeuten, also etwas 'in die Hand legen'. Die Sequenz zitiert hier wörtlich aus Isaiah 64, 6-7 [die Vulgata ist um ein Vers verschoben, Vulgata Isaiah 64, 7 entspricht Schlachter Jesaja 64, 6 und so weiter]. 

Die Elberfelder übersetzt hier: 'Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und uns dahingegeben in die Gewalt unserer Missetaten.'

Die Schlachter -meine persönliche Lieblingsübersetzung- sagt: 'Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und uns preisgegeben wegen unserer Sünden'.

Persönlich tendiere ich dazu, dass die Schlachter den _Sinn_ dieser Stelle besser erfasst. 

Víde Dómine afflictiónem pópuli túi,
et mítte quem missúrus es:
emítte Agnum dominatórem térræ,
de Pétra desérti ad móntem fíliæ Síon:
ut áuferat ípse júgum captivitátis nóstræ.

Sieh an, Herr, die Betrübnis Deines Volkes,
und sende, den Du senden willst.
Sende aus das Lamm, den Beherrscher der Erde,
vom Felsen der Wüste zum Berg der Tochter Zion,
dass es hinwegnehme das Joch unserer Knechtschaft.


Sieh Herr, die Betrübnis Deines Volkes, 
und sende, den zu senden Du senden willst.
Sende aus das Lamm, als Beherrscher der Erde.
vom Petra in der Wüste zum Berg der Tochter Sions, 
dass ER hinwegnehme das Joch unserer Gefangenschaft.

*Petra* bedeutet zwar 'Fels', gemeint ist aber wohl eher die Stadt in der Wüste. 'Fels in der Wüste' ergibt keinen Sinn. _So_ wie es da steht ergibt es zwar auch nur a bisserl mehr Sinn, aber immerhin.

*Ipse* mit 'es' zu Übersetzen ist hier an der Stelle schwach. Gemeint ist nicht ein Lamm, dass etwas wegnimmt oder beherrscht, sondern natürlich ER. 

Consolámini, consolámini, pópule méus:
cito véniet sálus túa:
quare mæróre consúmeris,
quia innovávit te dólor?
Salvábo te, nóli timére,
égo enim sum Dóminus Déus túus,
Sánctus Israël, Redémptor túus.

Ihr werdet getröstet, ihr werdet getröstet, mein Volk!
Bald wird kommen Dein Heil.
Warum verzehrst Du Dich in Trauer,
weil sich erneuert hat dein Schmerz?
Ich werde Dich retten, fürchte Dich nicht.
Denn ich bin der Herr, Dein Gott,
der Heilige Israels, Dein Erlöser.



Ihr werdet getröstet, ihr werdet getröstet mein Volk! 
Bald wird kommen Dein Heil. 
Warum verzehrst Du Dich in Trauer?
daß neu in dich gekehrt ist der Schmerz? 
Ich werde Dich retten, fürchte Dich nicht.
Denn ich bin der Herr, Dein Gott, 
der Heilige Israels, Dein Erlöser.

Dienstag, 30. November 2010

Profane Zeit - Heilige Zeit

Habe jetzt mal den 'liturgischen' Kalender in meinen normalen, d.h. sozusagen 'profanen' Kalender importiert und das ganze in der Monatsansicht auf mich wirken lassen.

Was auffällt: Beide 'Zeittypen' stehen im Grunde unvereinbar nebeneinander. Heute ist etwa das Fest des hl. Andreas mit eigener Tagesliturgie. Auf der 'säkularen' Seite stehen bei mir alle möglichen Arbeiten, die heute noch zu erledigen sind. Zusammenhang zwischen beiden: Keiner

Der liturgische Jahreskreis mit seinen Heiligen wiederholt sich Jahr für Jahr. Meine eigene 'Zeit' wohl kaum. Die sich zyklisch wiederholende Zeit der Heiligenfeste ist etwas anders, als meine selbst gestalte 'so' ablaufende Zeit.

Liturgischer Kalender

Hier noch was schönes entdeckt, wenn auch schon zwei Tage alt. Ein Liturgischer Kalender zum Import nach iCal, Outlook, Google Kalender & Co., von Peter Winnenmoeller vorbereitet. Alle Feste, Hochfeste & Tagesheilige der katholischen Kirche mit einem Click in seine eigenen Kalender einbinden. Hat was.

Frage mich, warum entsteht so etwas eigentlich immer nur aus 'privater' Initiative?  Wäre doch eigentlich was für das deutsche liturgische Institut aus Trier.

Montag, 29. November 2010

Rorate

Rorate, Montag 29.11 6:00 Uhr
Heute morgen um 5:30 Uhr mit dem Fahrrad los, um durch dichtes Schneetreiben in die erste Rorate-Messe des Advents zu kommen.

Dieses Jahr für mich zum ersten mal in der außerordentlichen Form. Vorher noch mal kurz recherchiert, was die Wikipedia eigentlich über die Rorate-Messe in der Vor-V2-Form behauptet.

Das die alte Form dieser Messe lediglich "eine Votivmesse zu Ehren Mariens" gewesen sein soll und erst durch die "liturgische Erneuerung der Akzent im Advent stärker auf die Erwartung des Herrn gelegt wurde", ist wohl der übliche Wikipedia-Quatsch. In der außerordentlichen Form ist die 1. Lesung aus Jesaja. Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben.  Da ist keine Sehnsucht nach dem Erlöser spürbar?

Heute morgen waren vielleicht fünfzehn Leute in dem Kirchlein. Altersdurchschnitt 60+. Vergleichbar mit jeder NOM-Messe. Den Wechselgesang Ne irascáris Dómine habe ich heute zum ersten mal in einer Roratemesse gehört. Ich meine, trügt mich mein Gedächtnis, oder wird das tatsächlich in der liturgisch erneuerten Form nicht mehr gesungen?

Die Wikipedia macht daraus eine richtiggehende Polemik gegen die alte Form. Das sei lediglich eine Votivmesse blablabla, wohingegen die neue Form die eigentliche Adventsthematik erst richtig herausarbeitet und so weiter.

Was ist eigentlich mit dem Ne irascáris Dómine als Introitus? Trägt die nix zur Adventsthematik bei? Da ist etwa vom "zürnenden Gott" die Rede, der "uns zerschmettert hat durch die Wucht unserer Schuld". Ähm,  beim ganz scharfen Nachdenken wird mir natürlich klar, warum das heutzutage nicht mehr gesungen wird. Der 'strafende Gott' ist selbstverständlich abgeschafft, stattdessen ist heute alles nur noch reine Liebe.

Nur: Warum warten wir eigentlich auf unseren Erlöser und von was soll er uns erlösen, wenn doch alles eh schon Liebe ist und wir uns nur noch alle ganz toll liebhaben müssen, weil Jesus uns ja auch so geliebt hat? Das ist natürlich böse gefragt, sorry, aber das die Adventszeit eigentlich eine dunkle, düstere & gefährliche Zeit ist und wir erst einmal den Schmerz spüren müssen, bevor wir von ihm erlöst werden können, scheint aus dem Fokus der 'liturgischen Erneuerung' herausgefallen zu sein. Wir sind heutzutage weder betrübt, unrein noch in Furcht, sondern haben Depressionen, Krankheiten physischer oder psychischer Art. Was soll also die wirkliche Adventsthematik sein, von der in der Wikipedia die Rede ist?

Von was soll uns der Erlöser erlösen und auf was warten wir im Advent?

In eigener Sache

Pünktlich zu Beginn des neuen annus liturgicus heute am 1. Adventssonntag startet hier mein kleiner katholischer Blog.

Der katholische Christ lebt bekanntlich ja nicht in einer 'säkularen' Gliederung der Zeit, sondern im Rhythmus & Ordnung der einen, heiligen, katholischen & apostolischen Kirche und heute beginnt dort etwas Neues. Ich finde, dass ist kein schlechter Tag, um selber mit etwas Neuem anzufangen und deshalb heute der Auftakt zu meinem Blog.

Mein Plan ist, hier in diesem Blog etwas nachzugehen, was es in der Form [meines Wissens] in der katholischen Blogospäre noch nicht gibt, nämlich die Frage nach unserer Wurzel. 

Klaus Berger hat einmal die These aufgestellt, Jesus war Jude und wollte das Gesetz weder lockern, abschaffen noch aufheben, sondern vielmehr verschärfen und radikalisieren. 

Das scheint auf den ersten Blick eine triviale Feststellung zu sein, ist aber in der Konsequenz alles andere als das. Nicht umsonst ist Klaus Berger in den 70'iger Jahren mit seiner Promotion an einer katholischen Fakultät gescheitert. Das Jesus das jüdische Gesetz nämlich nicht abschaffen sondern erfüllen wollte, birgt Sprengstoff.

Beispielsweise beginnt heute die jährlich wiederkehrende festgelegte Abfolge der christlichen Festen, und die Frage wäre legitim, inwieweit die Jahresfeste der Kirche sich eigentlich vom 'jüdischen' Jesus und seiner Ordnung entfernt haben?

Probleme damit werden im Grunde nie diskutiert, zumindest nicht innerhalb der katholischen Kirche. Da gibt's nach meiner Erfahrung zwar Stuhlkreise und gestaltete Mitte, aber wenig theologisches 'Schwarzbrot'. Vielleicht auch daher der Name von meinem Blog.

Ich bin vollkommener theologischer Laie. Ich bin noch nicht mal im kirchlichem Dienst. Es geht mir auch nicht um 'interessante' äußere Aspekte an unserer geliebten katholischen Kirche, sondern um den Stamm, auf den wir aufgepfropft worden sind. 

Ich finde, das letztendliche Ziel der Kirche und von jedem von uns wurde heute wunderbar im Antwortpsalm auf die 1. Lesung -im Psalm 122- gegeben:


Heute wird die obige Ikone zu mir nach Hause kommen und ich darf mit der Gottesmutter an meiner Seite meinen Weg durch die Adventszeit gehen. Im Vertrauen auf sie beginne ich heute diesen Blog.

Amen