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Dienstag, 30. November 2010

Profane Zeit - Heilige Zeit

Habe jetzt mal den 'liturgischen' Kalender in meinen normalen, d.h. sozusagen 'profanen' Kalender importiert und das ganze in der Monatsansicht auf mich wirken lassen.

Was auffällt: Beide 'Zeittypen' stehen im Grunde unvereinbar nebeneinander. Heute ist etwa das Fest des hl. Andreas mit eigener Tagesliturgie. Auf der 'säkularen' Seite stehen bei mir alle möglichen Arbeiten, die heute noch zu erledigen sind. Zusammenhang zwischen beiden: Keiner

Der liturgische Jahreskreis mit seinen Heiligen wiederholt sich Jahr für Jahr. Meine eigene 'Zeit' wohl kaum. Die sich zyklisch wiederholende Zeit der Heiligenfeste ist etwas anders, als meine selbst gestalte 'so' ablaufende Zeit.

Liturgischer Kalender

Hier noch was schönes entdeckt, wenn auch schon zwei Tage alt. Ein Liturgischer Kalender zum Import nach iCal, Outlook, Google Kalender & Co., von Peter Winnenmoeller vorbereitet. Alle Feste, Hochfeste & Tagesheilige der katholischen Kirche mit einem Click in seine eigenen Kalender einbinden. Hat was.

Frage mich, warum entsteht so etwas eigentlich immer nur aus 'privater' Initiative?  Wäre doch eigentlich was für das deutsche liturgische Institut aus Trier.

Montag, 29. November 2010

Rorate

Rorate, Montag 29.11 6:00 Uhr
Heute morgen um 5:30 Uhr mit dem Fahrrad los, um durch dichtes Schneetreiben in die erste Rorate-Messe des Advents zu kommen.

Dieses Jahr für mich zum ersten mal in der außerordentlichen Form. Vorher noch mal kurz recherchiert, was die Wikipedia eigentlich über die Rorate-Messe in der Vor-V2-Form behauptet.

Das die alte Form dieser Messe lediglich "eine Votivmesse zu Ehren Mariens" gewesen sein soll und erst durch die "liturgische Erneuerung der Akzent im Advent stärker auf die Erwartung des Herrn gelegt wurde", ist wohl der übliche Wikipedia-Quatsch. In der außerordentlichen Form ist die 1. Lesung aus Jesaja. Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben.  Da ist keine Sehnsucht nach dem Erlöser spürbar?

Heute morgen waren vielleicht fünfzehn Leute in dem Kirchlein. Altersdurchschnitt 60+. Vergleichbar mit jeder NOM-Messe. Den Wechselgesang Ne irascáris Dómine habe ich heute zum ersten mal in einer Roratemesse gehört. Ich meine, trügt mich mein Gedächtnis, oder wird das tatsächlich in der liturgisch erneuerten Form nicht mehr gesungen?

Die Wikipedia macht daraus eine richtiggehende Polemik gegen die alte Form. Das sei lediglich eine Votivmesse blablabla, wohingegen die neue Form die eigentliche Adventsthematik erst richtig herausarbeitet und so weiter.

Was ist eigentlich mit dem Ne irascáris Dómine als Introitus? Trägt die nix zur Adventsthematik bei? Da ist etwa vom "zürnenden Gott" die Rede, der "uns zerschmettert hat durch die Wucht unserer Schuld". Ähm,  beim ganz scharfen Nachdenken wird mir natürlich klar, warum das heutzutage nicht mehr gesungen wird. Der 'strafende Gott' ist selbstverständlich abgeschafft, stattdessen ist heute alles nur noch reine Liebe.

Nur: Warum warten wir eigentlich auf unseren Erlöser und von was soll er uns erlösen, wenn doch alles eh schon Liebe ist und wir uns nur noch alle ganz toll liebhaben müssen, weil Jesus uns ja auch so geliebt hat? Das ist natürlich böse gefragt, sorry, aber das die Adventszeit eigentlich eine dunkle, düstere & gefährliche Zeit ist und wir erst einmal den Schmerz spüren müssen, bevor wir von ihm erlöst werden können, scheint aus dem Fokus der 'liturgischen Erneuerung' herausgefallen zu sein. Wir sind heutzutage weder betrübt, unrein noch in Furcht, sondern haben Depressionen, Krankheiten physischer oder psychischer Art. Was soll also die wirkliche Adventsthematik sein, von der in der Wikipedia die Rede ist?

Von was soll uns der Erlöser erlösen und auf was warten wir im Advent?

In eigener Sache

Pünktlich zu Beginn des neuen annus liturgicus heute am 1. Adventssonntag startet hier mein kleiner katholischer Blog.

Der katholische Christ lebt bekanntlich ja nicht in einer 'säkularen' Gliederung der Zeit, sondern im Rhythmus & Ordnung der einen, heiligen, katholischen & apostolischen Kirche und heute beginnt dort etwas Neues. Ich finde, dass ist kein schlechter Tag, um selber mit etwas Neuem anzufangen und deshalb heute der Auftakt zu meinem Blog.

Mein Plan ist, hier in diesem Blog etwas nachzugehen, was es in der Form [meines Wissens] in der katholischen Blogospäre noch nicht gibt, nämlich die Frage nach unserer Wurzel. 

Klaus Berger hat einmal die These aufgestellt, Jesus war Jude und wollte das Gesetz weder lockern, abschaffen noch aufheben, sondern vielmehr verschärfen und radikalisieren. 

Das scheint auf den ersten Blick eine triviale Feststellung zu sein, ist aber in der Konsequenz alles andere als das. Nicht umsonst ist Klaus Berger in den 70'iger Jahren mit seiner Promotion an einer katholischen Fakultät gescheitert. Das Jesus das jüdische Gesetz nämlich nicht abschaffen sondern erfüllen wollte, birgt Sprengstoff.

Beispielsweise beginnt heute die jährlich wiederkehrende festgelegte Abfolge der christlichen Festen, und die Frage wäre legitim, inwieweit die Jahresfeste der Kirche sich eigentlich vom 'jüdischen' Jesus und seiner Ordnung entfernt haben?

Probleme damit werden im Grunde nie diskutiert, zumindest nicht innerhalb der katholischen Kirche. Da gibt's nach meiner Erfahrung zwar Stuhlkreise und gestaltete Mitte, aber wenig theologisches 'Schwarzbrot'. Vielleicht auch daher der Name von meinem Blog.

Ich bin vollkommener theologischer Laie. Ich bin noch nicht mal im kirchlichem Dienst. Es geht mir auch nicht um 'interessante' äußere Aspekte an unserer geliebten katholischen Kirche, sondern um den Stamm, auf den wir aufgepfropft worden sind. 

Ich finde, das letztendliche Ziel der Kirche und von jedem von uns wurde heute wunderbar im Antwortpsalm auf die 1. Lesung -im Psalm 122- gegeben:


Heute wird die obige Ikone zu mir nach Hause kommen und ich darf mit der Gottesmutter an meiner Seite meinen Weg durch die Adventszeit gehen. Im Vertrauen auf sie beginne ich heute diesen Blog.

Amen