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Montag, 29. November 2010

Rorate

Rorate, Montag 29.11 6:00 Uhr
Heute morgen um 5:30 Uhr mit dem Fahrrad los, um durch dichtes Schneetreiben in die erste Rorate-Messe des Advents zu kommen.

Dieses Jahr für mich zum ersten mal in der außerordentlichen Form. Vorher noch mal kurz recherchiert, was die Wikipedia eigentlich über die Rorate-Messe in der Vor-V2-Form behauptet.

Das die alte Form dieser Messe lediglich "eine Votivmesse zu Ehren Mariens" gewesen sein soll und erst durch die "liturgische Erneuerung der Akzent im Advent stärker auf die Erwartung des Herrn gelegt wurde", ist wohl der übliche Wikipedia-Quatsch. In der außerordentlichen Form ist die 1. Lesung aus Jesaja. Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben.  Da ist keine Sehnsucht nach dem Erlöser spürbar?

Heute morgen waren vielleicht fünfzehn Leute in dem Kirchlein. Altersdurchschnitt 60+. Vergleichbar mit jeder NOM-Messe. Den Wechselgesang Ne irascáris Dómine habe ich heute zum ersten mal in einer Roratemesse gehört. Ich meine, trügt mich mein Gedächtnis, oder wird das tatsächlich in der liturgisch erneuerten Form nicht mehr gesungen?

Die Wikipedia macht daraus eine richtiggehende Polemik gegen die alte Form. Das sei lediglich eine Votivmesse blablabla, wohingegen die neue Form die eigentliche Adventsthematik erst richtig herausarbeitet und so weiter.

Was ist eigentlich mit dem Ne irascáris Dómine als Introitus? Trägt die nix zur Adventsthematik bei? Da ist etwa vom "zürnenden Gott" die Rede, der "uns zerschmettert hat durch die Wucht unserer Schuld". Ähm,  beim ganz scharfen Nachdenken wird mir natürlich klar, warum das heutzutage nicht mehr gesungen wird. Der 'strafende Gott' ist selbstverständlich abgeschafft, stattdessen ist heute alles nur noch reine Liebe.

Nur: Warum warten wir eigentlich auf unseren Erlöser und von was soll er uns erlösen, wenn doch alles eh schon Liebe ist und wir uns nur noch alle ganz toll liebhaben müssen, weil Jesus uns ja auch so geliebt hat? Das ist natürlich böse gefragt, sorry, aber das die Adventszeit eigentlich eine dunkle, düstere & gefährliche Zeit ist und wir erst einmal den Schmerz spüren müssen, bevor wir von ihm erlöst werden können, scheint aus dem Fokus der 'liturgischen Erneuerung' herausgefallen zu sein. Wir sind heutzutage weder betrübt, unrein noch in Furcht, sondern haben Depressionen, Krankheiten physischer oder psychischer Art. Was soll also die wirkliche Adventsthematik sein, von der in der Wikipedia die Rede ist?

Von was soll uns der Erlöser erlösen und auf was warten wir im Advent?

Kommentare:

Astrid hat gesagt…

Da werde ich gerade ganz grün vor Neid. Wie gerne würde ich mal eine Rorate-Messe in der außerordentlichen Form besuchen! In einer neuen Rorate-Messe habe ich noch nie das Ne irascáris Dómine zu hören bekommen. Mit etwas Glück mal den Kehrvers und den dann oft auch noch auf deutsch.

Und viel Erfolg und Gottes Segen für das neue Blog!

Ludolph hat gesagt…

Auch von mir erst mal ein herzliches Willkommen - sozusagen von einem Neuling zum anderen ;-)

Astrids Neid teile ich dann auch gleich mit, das Foto sieht toll aus, dafür würde ich mich auch um 5:30 durch das Schneegestöber wagen - wenn auch lieber zu Fuß als mit dem Fahrrad.

Was das Thema Votivmesse angeht, so würde ich das gar nicht so negativ sehen. Im außerordentlichen Ritus haben die Werktage ja in der Regel kein eigenes Messformular, sondern es wird das Formular vom Sonntag wiederholt oder in der Votivmesse ein Glaubensgeheimnis betrachtet.

Schaut man bei Wikipedia in die englische Fassung der Rorate-Messe, dann stellt man fest, dass es sich um die Votivmesse von Maria Verkündigung handelt, die natürlich in weißer Farbe gefeiert wird. Aber adventlicher geht es kaum :-)

In der erneuerten Liturgie sind die Votivmessen fast vollständig verschwunden und wenn ich mich nicht irre, dürfen sie ohne Sondererlaubnis in den geprägten Zeiten auch nicht gefeiert werden. Als Roratemesse wird dann halt die normale Tagesmesse gefeiert. Nimmt man den Introitus als Maßstab, dann gäbe es nur am 4. Adventssonntag eine Roratemesse. Vielleicht gibt es aber auch noch einen Wochentag mit dem Rorate-Introitus.

Benjamin Benoni hat gesagt…

@ Astrid

Ja, es war eine sehr schöne Messe. Leider nur vor einer sehr kleinen Gemeinde. Mit dieser Form können möglicherweise nicht mehr viele 'Normalkatholiken' was anfangen. Eine Frau hat sich nachher beim Frühstück a bisserl beschwert, dass sie das Irascáris Dómine auf Latein nicht verstehen kann. Warum nicht auf Deutsch? Und der Priester musste da schon ein wenig schlucken. Immerhin will er ja die Leute nicht vor den Kopf stoßen und so. Irgendwie schwierig das ganze.

Ich wünsche dir auf jeden Fall einen segensreichen Advent und vielleicht klappt es ja noch mal mit einer Rorate-Messe in der außerordentlichen Form.

Benjamin Benoni hat gesagt…

@ Ludolph

Auch dir einen guten Anfang, ich habe dich erst einmal in meine interne Blog-Liste aufgenommen.

Ich fand Votivmessen eigentlich immer sehr schön. Aber du hast Recht, besonders häufig sind die nicht mehr. Die 'normalen' Rotare-Messen unterscheiden sich ja -außer in der Kerzenbeleuchtung- leider fast gar nicht von einer normale Alltagsmesse. Schade, dass wir inzwischen oft für besondere Zeiten keine besonderen Formen mehr wollen.

Viel Kraft für deinen Blog, Freude im HERRN.

Ludolph hat gesagt…

Noch ein kleiner Nachtrag: Die besagte Rorate-Votivmesse zu Ehren Mariens gibt es übrigens im Ordo Novus auch noch, wie ich Tage bei einem Blick in den Schott feststellte. Sie darf auch bis zum 16. Dezember gefeiert werden, danach haben die Eigentexte Vorrang. Ob die liturgische Farbe weiß oder violett ist, konnte ich nicht rausfinden. Definitiv weggefallen ist im Vergleich zur außerordentlichen Form das Gloria.

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