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Mittwoch, 8. Dezember 2010

Wurzelverstockt

Das Fest der Geburt des menschgewordenen Gottessohnes steht bekanntlich irgendwie immer unter dem Generalverdacht, dass es eigentlich unbiblisch sei, halb.- oder gleich ganzheidnischen Ursprunges, viele Bräuche -wie der Weihnachtsbaum- von den Germanen übernommen worden sind und hier eigentlich nur die Verehrung von Mithras, Sol Ivictus oder sonst einem heidnischen Gott fortgeführt wird.


In der englischen Reformationsgeschichte hat dieser Verdacht letztlich darin geendet, das unter dem Lordprotektor Oliver Cromewell 1650 das Weihnachtsfest konsequenterweise gesetzlich gleich ganz verboten worden ist, zusammen mit allen andere 'paptistischen', d.h. unbiblischen Festen & Feiern. Was die Engländer nicht daran gehindert hat, dieses Feste weiterhin zu begehen, dann halt im Untergrund. 


Die Auseinandersetzung um Weihnachten wurde -verkürzt gesagt- von protestantisch-evangelikaler Seite immer auch als Kampf um ein von heidnischen, d.h. römisch-katholisches Einflüssen 'gereinigtes' Christentum gesehen.


Das interessante ist: Wir 'wissen' ja alle, das der 25. Dezember im römischen Reich das Fest 'Dies natalis solis invicti' war, d.h. der Geburtstag des unbesiegten Sonnengottes und das die clevere Kirche diesen Tag einfach per Handstreich okkupiert und zum eigen Festtag umfunktioniert hat und so weiter. Nur stimmt das eigentlich wirklich?


Der Wiener Altphilologe Dr. Hans Förster hat vor fünf Jahren eine materialreich und leider wenig beachtete Studie "Die Anfänge von Weihnachten und Epiphanias" zum Thema 'Entstehung des Weihnachtsfestes' vorgelegt, in der er Beispielsweise zeigen konnte, dass es bis zum 4. Jhd. n. Chr. nicht _einen_ materiellen Beweis für die Existenz eines Geburtsfest 'Sol Invictus' gab. Keine Tempelweiheinschrift, kein Festopfer, keine Kalender, kein rein gar nichts. Er geht sogar so weit, die Existenz eines solches Festes überhaupt in Abrede zu stellen.

Das ist natürlich nicht das letzte Wort. Nur sind seine Quellen seriös recherchiert und sauber aufgearbeitet und nicht frei erfunden, wie bei Alexander Hislop et all.


Man sollte nicht immer alles glauben, nur weil's den eigenen Vorurteilen entgegenkommt. Meiner Ansicht nach werden gerade im Bereich des Glaubens abenteuerlichste Überzeugungen Fürwahr gehalten, wenn diese sich nur gegen die katholische Kirche richten. Der Kirche wird a priori unterstellt, dass sie irgendwie nur frommen Betrug verbreitet und somit Unsinn ist und was sie lehrt man im ganzen entsorgen kann. 

Nur hält das keiner kritischen Nachfrage stand. 

Die Arbeit von Hans Förster ist lesenswert und jedem empfohlen, der sich mit der Geschichte des Weihnachtsfestes tiefer beschäftigen will.


1 Kommentar:

Giovanni hat gesagt…

Herzlichen Dank für den Hinweis; ich hab die erwähnte Studie gelesen und auch mir erschien sie sauber recherchiert. Leider hält man offensichtlicher lieber an gut erzählten Entehungslegenden fest, da stört zuviel wissenschaft einfach. Na stell dir vor das Weihnachtsfest ist original-christlichen Ursprungs und das ganze sol invictus-Zeugs eine abenteuerliche neuheidn. Legende---wer versteht denn da die welt noch?!;-)......

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