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Samstag, 1. Januar 2011

Ambo zum selberbasteln

So schaut der Plan vom Kirchen-Umbau meiner alten Gemeinde aus.

Wenn's mal fertig ist, soll das ein großes, vollkommen leeres, weißes Gebäude werden und bei gutwilliger Sichtweise sind sogar noch schwache christliche Symbole auszumachen. Ganz am Ende -da wo früher mal ein Hochaltar gestanden hätte- steht jetzt ein Christus Salvator. Dieser spezielle Christus Salvator ist große Kunst und als solcher wohl noch gerade so akzeptabel. Alles andere an speziell katholischer Symbolik ist rausgeflogen, d.h. Kreuz, Hochaltar, ewiges Licht, Tabernakel und so weiter.

Laut theologischem Raumkonzept gibt's ganz streng 'geltenden Richtlinien' und laut denen hat das Tabernakel nicht in der Konkurrenz zum Altar zu stehen und mithin in einer Seitenkapelle zu verschwinden. Wobei -laut dem gleichen Raumkonzept- das Tabernakel eh erst seit dem Mittelalter existiert. Und um den Altar zu erkennen, muss man schon sehr genau hinschauen.

Zum Abschluss der 'alten' Kirche hatte der Kulturdezernent der Kirche die Idee, eine alte japanische Legende aufzugreifen laut derjenige von den Göttern einen Wunsch erfüllt bekommt, der tausend Origami-Kraniche faltet. Also haben die tausend Schnittbögen produziert, die dann auf dem 'neuem' Altar gefaltet werden sollten um anschließend im liturgischen Raum während der hl. Messe verteilt zu werden.

Man muss dazu sagen, dass hat einige Gemeindemitglieder a bisserl auf die Barrikade getrieben. Sie haben zumindest die Gemeindesekretärin angerufen, um ihren Unmut darüber auszudrücken. Genützt hat das natürlich nix, die haben das trotzdem so durchgezogen. Wobei Sie ein großes Team aus Priester, Diakon, Gemeindereferentin, Pastoralassistentin, Kulturreferent und so weiter sind. Und den meisten Leuten aus der Gemeinde gefällt der Umbau gut. Über die Gründe kann ich nur spekulieren, nur wird die zukünftige Kirche wohl eher musealen, interkulturellen Charakter haben, als katholisch sein.

Die Gemeinde gibt jetzt regelmässig einen Bettelbrief um Spenden für den Umbau raus. Darin liegt auch ein Faltblatt, mit denen sich die Gemeinde auf ihre zukünftige Kirche vorbereiten soll. Diesmal war's ein Ambo zum selberbasteln.

Ich denk's mir so, an dem Faltbogen saß vermutlich ein hochbezahlter Designer einen ganzen Tag, um im Grunde etwas völlig sinnloses herzustellen. Aber eigentlich will ich nicht urteilen. Was ich mich frage, merken die eigentlich bei diesen ganzen Aktivitäten, dass wieder einer aus ihrer Gemeinde fehlt?

Ich war an dieser Gemeinde viele Jahre tätig, bis ich es dieses Jahr einfach nicht mehr ertragen habe und gegangen bin. Puff. Und wieder einer weg. Und irgendwann schicken die mir einen Ambo zum ausschneiden. Und die Bitte um spenden. Das war das erste, was ich von dieser Gemeinde seit Juni gehört habe. Ambo zum auschneiden, lach.

Katholisch sein ist schwer. Wenn ich nicht wüsste, dass es um IHN geht und um sonst nix, würde ich schon a bisserl verzweifeln.

Kommentare:

Braut des Lammes hat gesagt…

Das zieht einem ja die Schuhe aus, man weiß gar nicht, was man sagen soll. :o

vaticanus hat gesagt…

du Ärmster, ich leide mit dir...kein Wunder, dass uns keiner mehr ernst nimmt, wenn wir uns selber dermaßen neutralisieren. Die dazu passende Kirchenfahne ist dann wohl: Weißes Kreuz auf weißem Grund ;-)

Benjamin Benoni hat gesagt…

@ Braut des Lammes

Na ja, im Grunde sind das natürlich totale Luxusprobleme. Die Kopten in Ägypten hätten bestimmt 'gerne' unsere Probleme. Alipius hat das hier http://blog.derherralipius.com/2011/01/radikale-christen.html sehr gut ausgedrückt, das wir angesichts von so einem Grauen sehr bescheiden werden sollten. So etwas wie in Alexandria macht mich eher sprachlos. Das ist gut von dir, dass du heute noch für unsere Brüdern & Schwestern beten warst. Im übrigen, ist beten eh immer die beste Reaktion, wenn man nix mehr sagen kann. LG

Benjamin Benoni hat gesagt…

@ vaticanus

Man muss vielleicht noch dazu sagen, die Kirche ist im Krieg und dann Mitte der 70'iger vollkommen entkernt worden. Viel mehr kaputt machen kann man gar nicht mehr. Persönlich kann ich mit 'leeren' Kirchen halt nix anfangen, andere finden das schön. Was mich allerdings stört, dass außer dem Christus Salvator absolut keine christlichen Symbole mehr im Hauptschiff gibt. Ich empfinde das auch als Kapitulation vor einem Zeitgeist, dem alles gleich ist, nur kein klares Bekenntnis _für_ etwas. Als kleinster gemeinsamer Nenner mag der Christus noch irgendwie durchgehen, aber das kann's doch nicht sein, oder?

Im übrigen sind das aber -wie schon oben gesagt- totale Luxusprobleme. Angesichts des realen Grauens rege ich mich über so etwas schon gar nicht mehr auf.

gesegnete Woche

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Wenn Du schreibst: "Laut theologischem Raumkonzept gibt's ganz streng 'geltenden Richtlinien' und laut denen hat das Tabernakel nicht in der Konkurrenz zum Altar zu stehen und mithin in einer Seitenkapelle zu verschwinden", worauf beruft sich dieses Raumkonzept denn? Ist keine Quelle angegeben? Mir ist das mal im Kontext einer PGR-Sitzung aufgegangen, daß manchmal Autoriätsargumente ohne Quellenangabe durchkommen, die mit Quellenangabe zumindest zu Diskussionen geführt hätten, ob die Interpretation der Quelle nicht, nunja, gewagt sei... Und hättest Du nicht geschrieben, das sei eine Christus Salvator-Skulptur, hätte ich ja spontan eine ganz andere Assoziation gehabt (man erkennt auf dem Bild halt nur einen erhobenen rechten Arm *hüstel*).

Benjamin Benoni hat gesagt…

@ Vincentius Lerinensis

Das dürfte meines Wissens aus der "Instruktion zur ordnungsgemäßen Durchführung der Konstitution über die Heilige Liturgie" (Inter Oecumenici) der Ritenkongregation vom 26.09.1964 unter Nr. 95 zu finden sein:

Zitat:

"Die Aufbewahrung der Heiligen Eucharistie
95 Die Heilige Eucharistie soll in einem festen und sicheren Tabernakel in der Mitte des Hochaltares oder eines besonders ausgezeichneten Nebenaltares aufbewahrt werden. Wenn rechtmäßige Gewohnheiten vorliegen, und in besonderen Fällen, die vom Ortsordinarius anerkannt werden müssen, ist die Aufbewahrung der Heiligen Eucharistie auch an einer andern wirklich vornehmen und würdig hergerichteten Stelle in der Kirche zulässig.
Es ist erlaubt, die Messe zum Volk hin zu feiern, auch dann, wenn ein kleiner, passender Tabernakel auf dem Altare steht."

Zitat Ende

Der Hinweis ist also nicht völlig falsch. Aber es ist die Frage, ob eine Seitenkapelle tatsächlich eine "vornehmen und würdig hergerichteten Stelle" ist, oder ob das ganze nur deshalb gemacht wird, um das Tabernakel möglichst aus dem Zentrum des Geschehens herauszubringen. Die Diskussion darüber wurde allerdings nie geführt, dass wurde einfach so im Vorfeld entscheiden und das gläubige Volk hatte das hinzunehmen.

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Nein, der Hinweis ist zumindest in der Form, wie Du ihn zitierst, eine völlige Fehlinterpretation. Zwischen "hat das Tabernakel nicht in der Konkurrenz zum Altar zu stehen und mithin in einer Seitenkapelle zu verschwinden" und "Die Heilige Eucharistie soll in einem festen und sicheren Tabernakel in der Mitte des Hochaltares" besteht ein kontradiktorischer Widerspruch. Das ändern auch die weiter folgenden Kann-Bestimmungen nicht.

Benjamin Benoni hat gesagt…

@ Vincentius Lerinensis

Ich habe jetzt noch mal sämtliche Verantwortlichen für den Umbau befragt, aber die berufen sich nur auf die 'Instruktion zur ordnungsgemäßen Durchführung ...'. Merkwürdigerweise diejenigen genauso, die das Tabernakel hinter dem Altar haben wollen. Scheint also eine völlig wachsweiche 'Instruktion' zu sein, die man zu allem möglichen verwenden kann ... und wo der Geist nicht weht, auch missbraucht werden kann. Aber das ist vermutlich bei allen menschlichen Regelungen so. Wir sind einfach zu unvollkommen.

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