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Montag, 31. Januar 2011

Ein großes Glück

Ungefähr 500 von mir zu Hause weg gibt es ein kleines Kirchlein, in der ein ebenso kleiner Priester jeden Morgen die hl. Messe feiert. Der Priester muss wohl irgendwo aus dem Osten stammen und spricht ein ungewohntes, kraftvolles und geradezu archaisches Deutsch.

Bei der Zelebration dieses Priester spüre ich, hier steht ein Mensch im Geist und in der Freude des HErrn. Der Priester ist sicherlich kein ausgefuchster Prediger, genau genommen predigt er nicht, sondern hält lediglich Homilie, in der er das Evangelium mit einfachen und klaren Worten auslegt. Er spricht über das Gebet zu IHm, Himmel und Hölle, über Sünde & Erlösung. Keine besonders 'modernen' Themen also.

Ich weiß, dass er unter seinen Brüdern im priesterlichen Dienst ein mild belächelter Außenseiter ist. Pastoral nehmen die ihn nicht ernst. Da dieser Priester aber ein einnehmendes & freundliches Wesen besitzt, wird er wohl irgendwie mit durchgezogen. An der unbedeutendste, kleinsten & verstecktesten Kirche der Innenstadt. Trotzdem besitzt dieser Priester eine echte betende Gemeinde, in der praktisch täglich Anbetung, Rosenkranz & Vesper gehalten werden ... hmmhmm ...

Aus seltsamen & unerfindlichen Gründen wurde diese winzige Kirche von der nachkonziliaren Zerstörungswut verschont. Besitzt also nur einen wunderschönen Hochaltar und keinen Mahltisch. Nun muss dieser Priester die hl. Eucharistie nolens volens jeden Tag Richtung SEinem Kreuz feiern. Vermutlich aus dieser unbilligen Härte heraus, hat sich kein anderer Priester für diese Kirche gefunden.

Dazu kommt, dieser Priester hält sich in einer wunderbar ruhigen & stillen Art genau an das Messbuch, nimmt relativ oft das erste Hochgebet, spricht die Wandlungsworte neuerdings auf Latein -wohl um ohne Ungehorsam den unsäglichen 'Pro Multis' Streit auf elegante Art zu lösen- und die Hälfte der Gemeinde empfängt die Mundkommunion und die andere Hälfte auf würdevolle Art die Kommunion auf die Hand. Ohne Streit & Hader.

Das hört sich wie erfunden an? Ist es aber nicht, so etwas gibt's wirklich und ist fünf Minuten von mir mit dem Fahrrad zu erreichen. Und zwei, drei Kilometer weiter gibt es eine kleine Kapelle der FSSP, in der ebenfalls jeden Morgen die hl. Eucharistie gefeiert wird.

Ich muss gestehen, seit ich bei der Frühmesse die Wahl zwischen dieser 'normalen' Messe [ja, sie entspricht exakt der ordentlichen Form, aber so habe ich sie woanders leider noch nie erlebt] und der hl. Messe in der außerordentlicher Form habe, gehe ich oft in die normale Messe. Weil sie für mich im Alltag einfacher, schlichter und konzentrierter ist. Ich kann Latein und bete auch manchmal in Latein, dennoch ist die außerordentliche Form nichts für jeden Tag. So sehe ich das zumindest. Der hl. Vater wünscht sich bekanntlich, dass sich beide Formen gegenseitig bereichern und ich denke diesem Wunsch zu entsprechen, indem ich in beiden Formen in's Gebet finde.

Ich empfinde diese Situation als großes Glück. Ich weiß aber, für die meisten Katholiken ist so etwas inzwischen undenkbar geworden. Ich muss eingestehen, seit ich diese winzige Kirche mit ihrem kleinen Priester entdeckt habe, finde ich wieder positive Seiten an der heilige Messe in der ordentlichen Form.

Ich denke mir oft, die ganze Diskussion um Kirchenaustritte, Priestermangel, Zölibat und so weiter, geht am Kern des Problems vorbei. Wo es keine betende Gemeinden mehr gibt, braucht es auch keine Priester mehr. Und betende Gemeinden fallen nicht einfach so vom Himmel. Sondern werden in Jahrzehnten priesterlichen Dienstes geformt. Dieser kleine, unbedeutende & unbeachtete Priester hat etwas geschaffen, an was seine gesamten Kollegen mit ihren gewaltigen Pastoralkonzepten, Strukturreformen & 'Kirche im Aufbruch' wohl gar nicht mehr denken, nämlich eine kleine, fromme und betende Gemeinschaft, in der diese Menschen jeden Morgen selbst bei -12º Grad zusammenkommen, um in der Vergegenwärtigung seines Opfers Gemeinschaft mit IHm zu halten.


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