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Montag, 10. Januar 2011

Frauenordination

Die Presse kann über die Katholica nicht nur negativ berichten, hier als Gegenbeispiel die rührende Berichterstattung über ein katholische Priesterin und ihren heroischen Kampf gegen das  Böse in Gestalt der offiziellen katholischen Kirche. Es gibt natürlich auch die gute, basisdemokratische Kirche vor Ort und die hat mit der Frauenordination keine Probleme, etwa hier in einem Interview noch einmal weiter ausgeführt.


Christine Mayr-Lumetzberger hat in einem Punkt Recht, bei der ganzen Diskussion um die Frauenordination versteht der 'normale' Katholik im Blick auf die Praxis der Frauenordination in den nachreformatorischen Gemeinschaften nicht, warum selbiges in der katholischen Kirche unmöglich ist.


Um ehrlich zu sein, ich selber habe mit der Frauenordination in den protestantischen Gemeinschaften überhaupt kein Problem. Die Protestanten haben sich im Lauf ihrer Geschichte von allen 'mystischen' Bestandteilen in ihrer Liturgie getrennt und der protestantische Gottesdienst und die Funktion des Vorstehers in dieser Liturgie sind etwas anderes, als eine katholische hl. Messe und ein Presbyter. 


Vereinfacht gesagt organisiert der protestantische Pastor den Gottesdienst und er lehrt, d.h er hält eine Predigt. Irgendwelche seltsame Wandlungen oder sonstigen Transsubstantiationen finden ja dort nicht statt: Die protestantische Liturgie kennt weder das Heilige Mysterium noch wird dieses Geheimnis gespendet, sondern das ganze ist ein frommes Theater, bei dem die Gemeinde die Geschichte des Abendmahles nachspielt und anschließend diese geistige Erfahrung symbolisch bei Traubensaft und Brot miteinander teilt. 


Der protestantische Pastor ist in erster Linie ein geistiger Ratgeber, Organisator des Gemeindelebens und Lebens-Begleiter der Gemeindemitglieder und folgerichtig spricht überhaupt nichts dagegen, dass auch Frauen diesen Dienst leisten können. 


Wenn man's genau nimmt, gibt es diesen Dienst auch in der katholischen Kirche und nennt sich 'Pastoralreferentin' und erfüllt die fast identische Aufgabe. Ich war in genug Wortgottesdiensten, bei der eine Frau gepredigt hat, als das ich da noch einen großen Unterschied zur protestantischen Mahl-Feier sehen würde. Und angesichts des wegbröckelnden Priesternachwuchses wird in Zukunft der Wortgottesdienst wohl eh katholische Normalität werden - die von einem Priester gefeierte Eucharistie dagegen die totale Ausnahme.


Wer Ökumene als Projekt versteht, die katholische Kirche in allen ihren Ausprägungen protestantisch zu machen, wird natürlich die Frauenordination zu seinem Lieblingsprojekt erheben, weil sich hier vielleicht noch am deutlichsten konfessionelle Unterschiede ausmachen lassen. Das katholische Lehramt rückt nämlich skandalöserweise nach wie vor nicht von der uralten und bis in die erste Tage des Christentums zurückgehende Ansicht ab, dass in der Feier der hl. Messe mehr als nur Heiliges Theater stattfindet.


Und das ist dem WisiKi-Katholik naturgemäss ein Dorn im Auge. Frauenordination ist im Grunde nur die Brechstange, die über die Forderung nach "Gleichberechtigung"den gesamten Charakter der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche hin zu einer protestantischen Teilkirche verändern soll.


Sorry, wenn ich das nicht im rechten ökumenischen Geist formuliere, aber die Protestanten haben bewusst & gewollt das hl. Altarsakrament weggeworfen. Sie kennen nicht die Eucharistie, keine Liturgie, sie kennen die Kirche nicht. Darum sind sie denn freilich auch nicht 'evangelikal', denn vom Evangelium haben sie weggetan, was uns tatsächlich Mittel des Heils sind. Da bleiben bloß Moral und Eschatologie, wenn überhaupt. 


Ein hartes Brot.


Ich glaube, in der katholischen Kirche wird die Diskussion um die Frauenordination nie aufhören, dazu ist der Geist der Welt viel zu mächtig. Auch wenn man's gerne glauben möchte, aber nicht nur die WisiKi-Gerontokraten fordern dass. Auf allen möglichen Ebenen wird gebohrt und gewühlt und das wird irgendwann auch 'Erfolg' haben. Ich bin etwa davon überzeugt, die DiakonInnen-Weihe von Frauen wird irgendwann in den nächsten 20 Jahre kommen. 

Kommentare:

jos.m.betle hat gesagt…

Wahrlich hartes Brot. Die Prognose allerdings teile ich so nicht. Sollte der Einstieg in das Weihesakrament für Frauen Wirklichkeit werden, dann bedeutet dies ein großes Schisma, vergleichbar mit der Trennung von West- und Ostkirche vor 1000 Jahren.

Benjamin Benoni hat gesagt…

@ jos.m.betle

Du hast natürlich Recht, dass würde zu einem Schisma führen. Aber A) haben wir das mehr oder weniger eh schon -FSSPX- und B) zeigt das Beispiel der anglikanischen Kirche, dass die 'Liberalen' eine Kirche eher in den Abgrund führen, als ihr eigenes Handeln in Frage zu stellen. 'Wir' sollten das besser. Ich bin ja selber so ein Fall, innehalten und sich ehrlich fragen, ob man noch auf SEinem Weg ist, gehört zum schwersten im christlichen Leben überhaupt. Und trotzdem müssen wir das immer wieder tun. Jeden Tag neu anfangen.

jos.m.betle hat gesagt…

@ Benjamin Benoni
Die liberal stellen alles in Frage, nur nicht sich selber. Das ist zwar wieder eine Verallgemeinerung. Aber die konservativen haben sich in Frage gestellt, denn sie haben das Boot der "deutschen Nationalkirche" mehr oder weniger verlassen., weil diese die rk Lehre verlassen haben. Tatsächlich ist es schwer, wie Du sagst, jeden Tag zu gucken wie es weitergeht.Und deswegen kann ich heute noch nicht mal mit meinem Klarnamen hier auftreten. Ich musste schon zu viel einstecken, - und wenn darunter die familie leidet ists einfach zu viel.

Benjamin Benoni hat gesagt…

@ jos.m.betle

Die 'Liberalen' sind ununterbrochen am machen, hier ein Workshop, da ein 'Forum interreligiöser Dialog' und dort noch 'ne hl. Messe mit von vorne bis hinten selbstformulierten Hochgebeten. Unsterbliche Frage in der Sakristei: Welche Lesung nehmen wir denn heute? Ich meine, dass kennst du bestimmt aus eigener Anschauung.

Das gute ist, es gibt in den Gemeinden immer noch Menschen, die dem etwas entgegenzusetzen haben. Und meiner Erfahrung nach werden es sogar mehr. Dabei reicht's nicht, einfach nur mit irgendwelchen Schlagworte wie 'liturgischer Missbrauch' rumzuwerfen, sondern es baucht 'ne intelligente Auseinandersetzung mit Argumenten. Selbst wenn die Leute jetzt keine Argumente hören wollen, vielleicht legen wir heute die Saat, von der unsere Kinder in 20 Jahren profitieren können. Wer weiß. Christ-Sein heißt hoffen. Ich bin zwar auch manchmal pessimistisch, aber dann glaube ich auch wieder, es wird weiter gehen.

Nur mit Klarnamen würde ich auch nicht posten wollen. Da wäre ich zu feig dazu. Nicht weil ich nicht zu dem stehe, was ich sage, aber den Druck würde ich nicht aushalten wollen. Das merke ich ja schon beim normalen Gespräch, wenn man innerhalb der katholischen Kirche etwas äußert, was dem gängigen Mainstream widerspricht, dann ist meistens Schicht im Schacht.

Robert Speamann hat einmal gesagt, 'mittlerweile sei die Meinungsfreiheit eingeschränkter als in der oft geschmähten Adenauer-Zeit'. Auch damals sei zwar viel böse Polemik im Spiel gewesen, aber es gab doch eine sehr viel stärkere Auseinandersetzung in der Sache. Trotz allem ist man auf die Argumente der Gegenseite eingegangen – und sei es nur, um zu zeigen, daß sie falsch sind.

Le Penseur hat gesagt…

Sorry, daß ich mich in Ihren Dialog einmenge ... :-D

Aber: ich bin (Eigendefinition: libertär-konservativ-nonkonformistisch) zwar vielleicht in Ihren Augen ein »Liberaler«, wobei ich aber den Eindruck habe, daß Sie dies mit »Linker« bzw. »Progressiver« gleichsetzen — was m.E. unzulässig ist.

»Liberal« heißt »die Freiheit verteidigend«. Das heißt also: möglichst wenig Dogmen (ganz ohne wird's net gehen, ist mir schon bewußt!), möglichst viel Individualismus. Aber das heißt für mich noch keinesfalls: »Frauenordination her«! Denn ich würde auch einen Regisseur, der in seiner Faust-Inszenierung den Faust von einer Frau und das Gretchen von einem Mann spielen läßt, taxfrei als profilierungsneurotischen Vollidioten bezeichnen!

Was die Diakonissen-Frage betrifft: nun, die gab's ja wirklich jahrhundertelang in der frühen Kirche (im Gegensatz zu »Priesterinnen« und »Bischöfinnen«). Wenn hier also etwas wiederbelebt wird ... naja ... aber das Problem, daß dann vermutlich »Frau Faust« auftaucht, verleidet einem natürlich schon die Freude ...

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