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Dienstag, 4. Januar 2011

Magna Benedictio

Paolo Veronese: Die Hochzeit zu Kana
Ich muss zugeben, dass bevorstehende Fest der 'Erscheinung des HERRN' ist im Weihnachtskreis mein absolutes Lieblingsfest, steht es doch im Guten wie im Schlechten für alles, was die katholische Kirche auszeichnet.

Das Schlechte vorneweg, das Fest der 'Erscheinung des HERRN' ist heutzutage in vielen Gemeinden im Grunde nur noch ein Trümmerfest, von letzten Resten an Volksfrömmigkeit überwuchert und praktisch ausschließlich auf einen einzigen Aspekt, nämlich die Verehrung des HERRN durch der 'Hl. drei Könige' verengt. Die meisten Katholiken glauben sogar, das Fest ist die Feier dieser 'Könige' und somit nett, familiengeeignet und die Sternsinger ziehen durch die Straßen und so weiter. Und damit hat's sich dann.

Aber das ist natürlich nur die Oberfläche. Das schöne an der katholische Kirche ist, hinter jeder Oberfläche steckt eine große Tiefe und die kann man entdecken. Επιφάνια [epiphania] lautet der alte griechische Namen dieses Festes und allein das zeigt schon das hohe Alter; genau genommen ist epiphania das älteste eigenständige christliche Fest, das also nicht in Abhängigkeit von einem jüdischen Festen steht. Epiphania ist etwas autochthon christliches.

Epiphania ist lateinisch übersetzt 'adventus', d.h. die Ankunft oder die Erscheinung des HERRN in unserer Welt. Epiphania ist _viel_ älter als das Weihnachtsfest und die alte armenisch-orthodoxe Kirche feiert etwa bis heute die Geburt unseres HERRN an diesem Tag [nur -wie alle orthodoxen Kirchen- nach dem julianischen Kalender am 19. Januar unseres Kalenders]. Es geht bei diesem Fest um die Geburt, Verehrung, Taufe und erster Selbstoffenbarung des HERRN. Selbst in der eh schon reduzierten Form bis 1970 gab es _drei_ Geheimnisse zum Fest der Erscheinung des HERRN, nämlich die Anbetung durch die 'Μάγοι'[magoi], die Taufe des HERRN am Jordan durch Johannes des Täufers und -surprise surprise- SEIN Zeichen bei der Hochzeit von Kana, nämlich die Verwandlung von Wasser zu Wein.

Nur eine Randbemerkung: Durch die Liturgiereform von 1970 wurden diese drei Geheimnisse auseinandergerissen, die Taufe des HERRN wird heute am Ende der Weihnachtsoktav gefeiert, die Hochzeit von Kana alle drei Jahre am 2. Sonntag nach epiphania und für die 'Erscheinung des HERRN' sind die Hl. drei Könige übrig geblieben.

Was mich an diesem Fest nun immer so freut, das es in der Tiefe seines Geheimnis die alten Kirchen miteinander verbindet. Auch wir in der katholischen Kirche haben in welch-reduzierter-Form auch immer etwas bewahrt, was schon 1800 Jahre vor uns die Menschen im Herzen freudig bewegt hat. Die Ankunft des HERRN in unserer Welt ist Feier, Verehrung & Anbetung. Die Heiden, verkörpert durch die magoi, haben SEINEN Stern aufgehen sehen und sind zu ihm geeilt, um ihm zu huldigen.

Im orthodoxen Osten stand ein anderer Aspekt SEINER Ankunft immer etwas mehr Vordergrund, nämlich die feierliche Verkündigung bei der Taufe am Jordan: Er ist der Sohn Gottes! Aus der zeichenhafte Nachahmung dieser Taufe am Fluss Jordan hat sich in der Orthodoxie die große Wasserweihe entwickelt. In dieser Weihe werden nicht die Kirche, Gläubige oder einzelne Haushalte gesegnet, sondern SEINE Schöpfung selber durch die innewohnende und wirkliche Gnade seiner Taufe.

Ich habe diesen Herbst sehr nette evangelikale Missionare kennengelernt, die in Russland missionieren und die diese große Wasserweihe einmal selbst erlebt haben und als Zeichen des geradezu 'heidnischen' Characters der russischen Orthodoxie sehen. Ich denke, das eine ist, der Glaube an die Wirksamkeit einer kirchlichen Fürbitte um Segen ist nicht 'unbiblisch', das andere aber finde ich sehr traurig, das sich nämlich unsere Brüdern & Schwestern aus den nachreformatorischen Gemeinschaften bewusst vom Zugang zur lebendigen und wirklichen Überlieferung abgeschnitten haben. Das älteste wirklich christliche Fest wird nicht mal mehr im Ansatz verstanden. Epiphania verbindet die Orthodoxie mit den altorientalischen Kirchen mit der Katholica, nur die Protestanten haben das Fest verdrängt und vergessen; epiphania's' [im Genitiv] kommt zwar noch im evangelischen Festkalender vor, wird aber meines Wissens nicht mehr gefeiert.

Was wiederum bei uns fast vergessen ist, die 'große Wasserweihe' des Ostens hat im lateinischen Westen die Entsprechung in der 'Magna Benedictio' in der Vigil zum Fest der Erscheinung des HERRN, also in der Nacht vorher oder ganz früh am Morgen. Hier mal ein Beispiel, wie so etwas ausgesehen haben könnte. Das es solche schönen Benediktionen nicht mehr gibt, ist natürlich jammerschade. Ich habe in einer viel kürzeren Form letztes Jahr mal für einen Priester um fünf Uhr früh das Eis aufgehackt, damit eine solche Wasserweihe vollzogen werden konnte und erst da hat sich für mich die Tiefe & Schönheit dieses Festes richtig eröffnet - was mir vorher nur irgendwie & irgendwo sehr lieb war, habe ich hinterher mit dem 'Herzen' verstehen können. Ich kann's leider nicht besser ausdrücken. Nach der Weihe sind wir hoch in die Kirche zur Anbetung und dann der Festgottesdienst und alles das zusammen, die Nachtwache, die Wasserweihe, das Gebet, der Gottesdienst und dann das gemeinsame Frühstück war für mich 'dicht'.

Liturgie führt uns zum HERRN, weil sie uns innere Räume eröffnet. Bei mir ist es so, dass sich bei den üblichen selber zusammengebastelten liturgischen Veranstaltungen -so gut und pädagogisch wertvoll die auch immer gemeint sind- sich überhaupt nix öffnet, aber sobald ich spüre, hier besteht ein wirkliche Verbindung mit einer Glaubenswahrheit, komme ich selber dem HERRN näher. Vermutlich geht's vielen anderen auch so. Nur wird dieses Bedürfnis nach 'Tiefe' in unserer Kirche viel zu wenig gestillt. Eigentlich schade.

Nachtrag: Das Bild 'Hochzeit zu Kana' habe ich genommen, weil das der unbekannteste Aspekt der Feier zur Erscheinung das HERRN ist.

Kommentare:

Quodvultdeus hat gesagt…

Dass die Liturgiereform dieses Fest auseinandergerissen hat, ist so falsch. Früher wurde Taufe des Herrn am Oktavtag gefeiert. Es geibt daher auch ein traditionsreiches Offizium.

Benjamin Benoni hat gesagt…

@Quovultdeus

Ja stimmt, die Taufe des Herrn war früher am Ende der Epiphenia-Octav; aber die Octav gibt's ja auch nicht mehr. Da wurde viel 'vereinfacht', sprich simplifiziert, unabhängig davon, ob es zusammengehört oder nicht. Vigil, Octav ... alles weg und bald wissen die Leute nicht einmal mehr, was das überhaupt ist.

vaticanus hat gesagt…

Wie auch immer: Tatsache ist, dass die drei (!) Festgeheimnisse heute so nicht mehr präsent sind. Dabei wäre das doch die ideale Brücke für alle, die an Weihnachten in der idyllischen Krippe stehen bleiben wollen. Von daher danke für den Hinweis - habe ich zwar mal gelesen, aber leider vergisst man das dann auch wieder.

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