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Samstag, 1. Januar 2011

Warum ist die Kirche eine einzige große Lüge und ich ein Idiot, weil ich daran glaube?

Zeit für ein persönlichen Jahresrückblick.

Alle Wünsche, Hoffnungen, oder auch nur die kleinen Dinge im Herzen haben sich -wie üblich- nicht erfüllt. Ich arbeite weiterhin als Geringster in einem völlig hoffnungslosen Job, wo ich weiterhin knapp weniger als Hartz IV verdiene -und das auch noch mit mindestens einem Monat Verspätung- ich stehe gesellschaftlich, sozial und was-weiß-ich vollkommen am Rand, als Ausgleich dafür habe ich noch nicht mal ein besonders 'tiefes' geistiges Leben, ich könnte frömmer sein, mehr beten, intensiver die Schrift studieren und all das, meinen Freunden gehe ich gerade auf den Wecker und endlos so weiter.

Schau ich auf mein 'katholisches' Leben, frage ich mich schon manchmal, was bringt's mir? Ich war Beispielsweise von frühster Jugend an fasziniert vom hl. Franziskus und habe den Weg der Armut und der Bedürfnislosigkeit in der Nachfolge des HERRN als meinen Weg empfunden und bin diesen Weg mein ganzes Leben immer [mehr oder weniger] konsequent gegangen. Jetzt stell ich fest, ich bin an einen Punkt, wo es richtig schmerzhaft wird.

Die Kirche predigt zwar Armut als einen Weg der Nachfolge, aber sie lebt diese Armut selbstverständlich nicht. Zumindest nicht in unserem fettem & reichem Deutschland. Selbst die 'armen' Orden in der franziskanischen Tradition sind nur relativ arm, in Wirklichkeit leben die natürlich ein ziemliches Mittelstandsleben mit Urlaub in einem netten Kloster in den Dolomiten und Rentenversicherung mit allem drum und dran. Das sei denen auch gegönnt, das monastische Leben ist nicht leicht und ich bin bestimmt nicht neidisch. Nur war für mich  immer klar, dass ich nicht 'arm' leben kann, wenn ich in einer Gemeinschaft mit Rundum-Sorglos-Paket gepampert werde. Das ist ein Wiederspruch in sich. Und deswegen haben die klassischen franziskanischen Orden wohl auch so große Nachwuchsprobleme, weil dieser Hiatus zwischen Anspruch & Wirklichkeit sich nicht schließen lässt.

Mein Problem ist also, dass ich daran glaube, dass die Nachfolge des HERRN nicht über Besitz, Reichtum, Erfolg, gesellschaftliches Ansehen, Macht und so weiter führt, sondern im Gegenteil. Nur: So wie der HERR scheinbar vollkommen gescheitert seinen Weg nach Golgotha gegangen ist, dass muss man erst einmal hinbringen. Ich meine, es ist toll 'arm' zu leben, wenn man dafür gesellschaftlich geachtet wird, eine hohe soziale Position hat, alle Welt zu einem aufschaut und so weiter. Wenn dagegen 'arm' einfach nur heißt richtig, richtig arm ohne großartige spirituelle Erfahrung & Erfüllung, dass ist imho noch mal eine ganz andere Geschichte.

Es verhält sich nun so, meine evangelikale Freunde können mir fünfmal am Tag anhand der Schrift beweisen, das die Kirche eine einzige große Lüge ist und ich ein Idiot bin, weil ich daran glaube. Die Kirche hat offensichtlich seit den Tagen des hl. Franziskus nix dazu gelernt und 'protz' wie Anno dazumal, zumindest in unserem Kirchensteuer gesättigten Deutschland. Und wie oben gesagt, nachdem ich die Schrift nicht so intensiv studiere wie ich sollte, kann ich dem aus der Schrift auch nicht allzu viel entgegensetzen.

Was ich nur weiß, dem hl. Franziskus hat auf seinem Weg der Nachfolge die fette, korrupte und absurd machtgierige Kirche seiner Tage gereicht. Er wollte gar nicht mehr. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, warum das so war. Heutzutage weiß ja jeder, warum Kirche doof ist und die XYZ-Gemeinschaft viel bibeltreuer, wahrer zum Willen des HERRN steht und es völlig bescheuert ist, sein Leben an etwas so verkorkstem auszurichten, nur weil man glaubt, dass hier tatsächlich die vom HERRN gewollte und hinterlassene Gemeinschaft bis heute besteht.

Das ist doch völlig idiotisch, oder? Die Nachfolge des HERRN nicht in die Beliebigkeit seines eigenen Willens zu stellen und nach dem auszurichten, was einem die Schrift dazu nach eigener Auslegung zu sagen meint, sondern daran zu glauben und auch zu vertrauen, dass eine von IHM eingesetzte Gemeinschaft bis heute existiert, die in sich die Überlieferung von den Aposteln aufwärts bewahrt hat. Daran zu glauben macht einem zum Idioten, zumindest bei den Selbstdenkern dieser Welt.

Es gibt kaum etwas provokanteres als zu sagen: Ja, diese Kirche mit all ihren Schwächen, Machtgier, Verbrechen und Glaubenslosigkeit ist meine Gemeinschaft und ich glaube und vertraue auf sie aus keinem anderen Grund, als das sie vom HERRN eingesetzt worden ist, die reale Gestallt seiner irdischen Gemeinschaft zu geben. Eine Nachfolge des HERRN zu gehen ohne Teil dieser Gemeinschaft zu sein, ist unmöglich. Zumindest aus meiner Sicht.

Und weil ich dies glaube, sehe ich all meine gescheiterten Wünsche und Hoffnungen von diesem Jahr in einem anderen Licht. Ich glaube nämlich, dass der HERR mich immer wieder vor etwas bewahrt, was ich mir vielleicht wünsche, aber gar nicht mein Weg ist. Im 'Vater unser' heißt es ja nicht, 'mein Wille geschehe', sondern 'dein Wille'. Nur annehmen tun wir das nie. Weil wir in unserem Herzen es doch immer a bisserl anders wollen, als ER es will. Und das frustriert mich. Und dann schreiben ich seltsame Kommentare auf meinem Blog. Und fragen mich, warum mal nie so etwas kommen kann, wie ich's selber gerne hätte.

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