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Donnerstag, 3. Februar 2011

Kennt die 'Weltkirche' das Zölibat?

Die heilige, katholische und apostolische Kirche ist keine Nationalkirche sondern Weltkirche und besteht aus insgesamt 22 Teilkirchen, von denen die lateinische Kirche sicher die bedeutendste, aber eben nicht die einzige ist.

Von diesen 22 Teilkirchen kennen 21 Kirchen die Verpflichtung zur Ehelosigkeit als Zulassungsvoraussetzung zum Sakrament der Priesterweihe nicht. Punkt. Niemand wird behaupten, die unierten Kirchen des Ostens seien deshalb weniger katholisch, nur weil sie regelmässig verheiratete Männer zu Weltpriester weihen oder das in den Orthodoxen Kirchen der rechte Glauben zusammengebrochen sei, weil sie das seit jeher so halten.

Das wäre auch absurd. Das Zölibat ist keine theologische Frage sondern ein disziplinarrechtliche. Anders ist es nicht zu verstehen, dass es in Deutschland aktuell rund hundert verheiratet katholische Priester gibt, neben etwa 50 weiteren, die aus den unierten Kirchen zum seelsorgerischen Dienst hierher gekommen sind. In Großbritannien wird erwartet, dass dieses Jahr etwa 80 anglikanische Priester um die Aufnahme in die katholische Kirche nachsuchen und wenn keine andere Gründe dagegenstehen, werden diese Männer wohl zu gültigen katholischen Priester geweiht.

Wenn nun Kardinal Brandmüller mit der apostolischen Tradition des Zölibats argumentiert und dass die „Weltkirche“, das heißt auch ein ökumenisches Konzil, eine apostolische Überlieferung nicht ignorieren darf und kann, dann ist das natürlich erstmal: Well roared, lion.

Nur:  Denkt man genauer darüber nach, warum kennen von 22 Teilkirchen der katholischen Kirche 21 Kirchen die Verpflichtung zur Ehelosigkeit für Weltpriester nicht, wenn doch die 'Weltkirche' die apostolische Überlieferung nicht ignorieren darf? Und hat Rom nicht sogar 2003 ein neues Recht für die unierten & altorientalischen Teilkirchen gegeben, wo diese apostolische Tradition sozusagen nicht anerkannt worden ist? Ein sehr inkongruentes Argument also.

1 Kommentar:

jos.m.betle hat gesagt…

Bei der Diskussien um den (das??) Zölibat denke ich auch immer an die konkreten Menschen. Und dabei fällt mir auf wie scheinheilig und verlogen sich so manches darstellt. Ich sage immer: so wie ich voller sünde und Schuld bin, so ist es auch die Gesellschaft, wenn ich besser werde, dann wird auch die Gesellschaft besser. Will heißen: In unserer Diskussion soll sich jeder selber einmal fragen, wie er oder sie es mit dem sechsten gebot hält. Wie treu sind wir unseren Ehepartnern? Brechen wir etwa aus der Ehe aus; flirten wir mit anderen? Wird die Ehe und Familie zu viel? Halten wir es zuhause noch aus?-oder müssen wir unsere freie zeit in Vereinen usw verbringen, damit wir nicht abhauen müssen? Ja, wie halten wir es mit der Treue, nicht nur sexuell, sondern wirklich "zusammen-halten". "Wenn du eine Frau auch nur lüstern ansiehst...", was heißt das denn heute, das ist doch kein Thema..oder? Ich habe es mir und meiner Frau und den Zeugen und GOTT versprochen: bis dass der Tod uns scheidet. Nicht anders ist es bei Priestern. Sie wussten, dass sie ehelos und keusch leben sollen; sie haben viele Jahre Bedenkzeit. Ich sage: ein Mann, ein Wort; oder es sind Schlappschwänze. So, wie jeder in der Ehe treu zu sein hat und zu seiner entscheidung steht, so sollen auch die Priester treu sein und ihre Entscheidung durch-tragen. Wenn wir heute sehen, wie hoch die Scheidungsraten sind, dann brauchen wir uns nicht zu wundern...

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