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Dienstag, 3. Mai 2011

Über das Schweigen

Ich besuche seit etwa zwei Jahren regelmässig die hl. Messe im außerordentlichen Ritus bei der FSSP und was mir auffällt, auch dort wird -außer die Kanonstille- die Zeit der Stille immer weniger - nur singen, reden, singen, reden, Musik, Gesang, Predigt.


Bis vor kurzem war wenigstens noch die Gabenbereitung 'still', dann hat zuerst der Organist gemeint die Stille mit Spiel 'befüllen' zu müssen und jetzt werden mindestens drei Strophen aus dem GL gesungen.Das gleiche bei der Kommunionspendung, vor zwei Jahren war die noch ganz ohne jede Begleitung, dann hat der Organist ein Linie gespielt und jetzt singt die ganze Schola einen Dankgesang. 

In der NOM ist das natürlich noch ausgeprägter, dort ist Stille wie Horror und jeden Moment der hl. Messe muss irgendwas passieren, kein Augenblick zur Ruhe kommen, innehalten, still sein. Deswegen gehe ich dort kaum noch hin. Aber die Grundtendenz Richtung 'mehr' gibt's auch im außerordentlichen Ritus - da könnte man doch noch ein kleines Lied singen, dort noch ein Dankgesang einfügen und vielleicht am Ende eine kurze Ankündigung für die folgende Woche?

Ich weiß nicht warum das so ist, aber niemand traut sich 'weniger' zu machen, immer muss es 'mehr' werden - wobei es nicht um das konkrete Lied oder den Dankgesang geht, die sind wunderschön. Aber ein deutschsprachiges Lied aus dem GL empfinde ich im Vergleich zur Gregorianik als Bruch und anstrengend - vielen mag es anders gehen und vielleicht vermissen sie die gewohnten Lieder aus der NOM, aber ich seh's kommen, irgendwann gibt's zur Kommunion Gitarrengeklampfe mit rhythmischen Liedern, warum auch nicht? 

Mir kommt's so vor, dass immer mehr Leute die hl. Messe in der außerordentlichen Ordnung für sich entdecken und das wäre ja auch alles ganz schön ... aber muss das immer sooo lange gehen ... könnten man nicht auch mal ein paar Lieder auf Deutsch singen ... warum müssen die Lesungen auf Lateinisch sein, versteht doch eh niemand ... und so weiter ... und so weiter.

Und kein Priester will als finsterer Fundamentalist dastehen und baut hier ein GL-Lied ein, dort wird gekürzt und was früher knapp zwei Stunden gedauert hat, kann man auch locker in eineinhalb Stunden machen und natürlich bleibt die hl.Messe im Kern, in der Eucharistie unangetastet so wie sie ist und das zieht auch immer mehr Leute an, weil sie die banalen & selbstzusammengebastelten Hochgebete aus der NOM nicht mehr ertragen, aber mein Verdacht bleibt, dass genau diese Dynamik für die liturgische Katastrophe allerorten verantwortlich ist. 

Erfülltes Schweigen ist schwer, richtig - deswegen alle stille Momente mit Aktion zuzukleistern, ist meiner Ansicht der falsche Weg. Es gibt das Wort Gottes, auf das wir in der hl. Messe mit Gesang und Homilie antworten. Und es gibt das Mysterium von Tod und Auferstehung, für das die Stille unabdingbar ist, um es zu erfassen.

Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Seh´ ich genauso.

Johannes hat gesagt…

Wäre dann aber schade, oder?

oliver hat gesagt…

@ Johannes

du bist doch gerade in Rom? Und du hast noch Zeit, auf anderen Blogs zu kommentieren, Hut ab! Viel Freude im HERrn und euch afuf der Konferenz eine gute Zeit.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Nun mit diesen eingestreuten Leider aus dem Gl sind wir wieder genau da, wo wir in den 1950ern schon mal waren. Der Priester macht sein Ding am Altar und die Gemeinde vertreibt sich die Langeweile mit der einen oder anderen Strophe.
Mit Verlaub, ich habe seit einigen Jahren den alten Ritus in einer Form erleben dürfen, in der jedes Ströphchen aus dem Gotteslob als Entgleisung aufgefallen wäre.
Die Einheit von gregorianischer Kirchenmusik und gefeiertem Ritus war dank der liturgischen Kunst und der geistlichen Tiefe des Zelebranten und durch die hochwertige Darbietung der Musik so evident, daß sich für jeden der anwesenden Gläubigen alles andere verbat. Die Feier der Eucharistie ist immer eine heikle Gradwanderung, egal in welchem Ritus und es gibt selten diese Sternstunden, in denen er so deutlich transparent für das Mysterium Gottes wird und nicht von irgendeinem Schnickschnack seine einzigartige Karft und Schönheit verliert. Aber es gibt sie und ich bin dankbar dafür, schon so viele erlebt zu haben.

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