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Mittwoch, 1. Juni 2011

Augsburger Kirchen: Galluskirchlein


Galluskirchlein bei St. Stephan

Galluskirchlein von innen

Das Galluskirchlein steht neben der Benediktinerabtei St. Stephan und ist die älteste erhaltene Kirche in Augsburg - die ursprüngliche Anlage stammt wohl aus spätrömischer Zeit. Unter dem unmittelbar daneben liegenden Kloster St. Stephan wird seit Ausgrabungen in den 60'igern Jahre das römische Forum vermutet; eine alte christliche Kirche am Zentrum des römischen Augsburgs hätte innere Logik.

Die heutige Gestallt der Kirche ist aus dem 9. Jhd. und soll nach Brand und Wiederaufbau 1051 von Papst Leo IX. in Anwesenheit Kaiser Heinrichs III. neu geweiht worden sein. Die Kirche wurde mehrmals umgebaut, die jetzige Einrichtung stammt aus dem Jahr 1589. Die Kirche enthält unter anderem das Grab der Äbtissin Ellen, der Schwester des Bistumspatrons St. Ullrich.

Zuletzt wurde das Kirchlein 2002-2006 renoviert und ist am 16. Oktober 2006 vom damaligen Bischof S.E. Walter Mixa neu geweiht worden. Heute führt diese Kirche leider ein Schattendasein und ist fast immer abgeschlossen, die wenigsten Augsburger kennen sie noch, was schade ist, spielt sie doch in Augsburg eine bedeutende Rolle im katholischen Leben nach dem Krieg.

Dieses Kirchlein war nämlich in den letzten Kriegsjahren und nach '45 Ort, wo in Augsburg die liturgische Bewegung ihre ersten Gehversuche in der 'erneuerten' Liturgie gemacht hat. Oft wird ja behauptet, die neue Liturgie sei ein Kind des 2. Vatikanischen Konzils, was natürlich falsch ist. Die liturgischen Reformen worden Jahrzehnte vorher an Orten wie dem Galluskirchlein vorweggenommen. 

Es ist schwierig die Geschichte zu rekonstruieren, es war wohl so, dass während des Krieges ein Benediktinerpater aus der "Jugendbewegung" das Galluskirchlein zu einem liturgisches Zentrum für Erwachsene gemacht hat, die in den 20'iger und 30'iger Jahre im Quickborn und anderen Arbeitskreisen sozialisiert worden waren. Was sie dort in ihrer Jugend als Ideale gelernt haben, wollten sie nun als Erwachsene -unter anderem- in einer erneuerten Liturgie umsetzen. 

Ich mag kein pauschales Bashing der liturgischen Bewegung, aber die Beobachtung von Martin Mosebach, dass mit ihr das 'liturgisches basteln' in die Welt gekommen ist, sehe ich genauso. Ich habe Fotos von diesen Feiern gesehen, wo im Grunde alles vorweggenommen worden ist, was 35 Jahre später dann in der Messreform von S.H. Papst Paul VI. umgesetzt wurde - Mahltisch, Handkommunion, Zelebration verso populo und vieles mehr.

Man muss ehrlich sein und die Theorie, dass irgendwelche Schurken [etwa Erzbischof Annibale Bugnini] in ihrer Kammer eine Liturgiereform ausgebrütet hatten und diese in einem bedauerlichen Anfall von geistiger Umnachtung des damaligen hl. Vaters P6 auch durchsetzen konnten, ist schlicht und einfach falsch. Die liturgische 'Erneuerung' hat Jahrzehnte vorher begonnen und viele Kirchenleute, die heute um die 70 sind, sind schon als Jugendliche an Orten wie dem Galluskirchlein mit einer bestimmten 'kreativen' Vorstellung der katholischen hl. Messe geimpft worden.





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